Der frubiase® SPORT blog

17. September 2008
von Hauke König

Weser, dein Gesicht merk’ ich mir…

Nachdem ich am Sonntag um 7.00 Uhr aufgestanden und Bus, Equipment und mein Team abgeholt hatte, machten wir uns voller Vorfreude und gut gelaunt auf nach Hannoversch Münden. Dem Platz, wo Werra und Fulda zur Weser werden. Dort angekommen, gab es erst einmal Gastgeschenke. Die hatte ich am Tag vorher eigens eingesammelt und für den Lauf mitgebracht. So schüttete ich einen Kanister Alsterwasser in die Werra und die Fulda bekam fünf Liter Elbewasser. Entlang dieser beiden Flüsse laufe ich zuhause täglich.



Dann schnell umziehen und schon ging es los. Pünktlich um 14.00 Uhr lief ich vom Tanzwerder in Hannoversch Münden los. Zunächst ging es durch die Fußgängerzone, dann hinaus aus der Stadt in Richtung Hameln. Und was soll ich sagen: Total malerisch schlängelt sich da der junge Fluss über viele Kilometer durch eine wunderschöne Mittelgebirgslandschaft.



Ein Blick auf meine Uhr zeigte mir eine Geschwindigkeit von 6.15 min/km bei einem Puls von etwa 125 an. Ich war also topfit und genoss die Landschaft und die zeitweise strahlende Sonne in vollen Zügen.



Mein Team folgte mir auf Schritt und Tritt und ein Fingerzeig reichte, um mir Brötchen mit Frischkäse, Apfelschorle, Müsliriegel, Cola, Wasser und der Gleichen zu reichen, oder mir zu sagen wo lang ich jetzt laufen muss. Perfekt! Die ersten 20 km lief ich in 2.11 Stunden, die erste Marathondistanz in 4.36 Stunden. Bei Kilometer 70 wurde das Zwicken, das ich schon seit einer Weile am rechten Schienbein spürte, unangenehm. Also erstmal stoppen und sich das Bein anschauen. Es war nichts zu sehen und nach einer kleinen Massage ging es weiter.


Für kurze Zeit war ich den Schmerz los und konnte in die anbrechende Nacht laufen. Ich war jetzt nicht mehr abgelenkt von der Schönheit der Landschaft oder den vielen kleinen Fähren, die sich beladen mit ein bis zwei Autos und einigen Radwanderern von einem Ufer zum anderen aufmachen. Einfach nur laufen und Meilen machen.


Mein Puls hatte sich jetzt bei 135 eingependelt, die Geschwindigkeit bei 6.35 min/km. Alles gut bis auf…aua…das Schienbein. Der Schmerz wurde langsam unerträglich und die schmerzfreien Zeiten zwischen den Massagestopps immer kürzer. Bei Hameln ging dann nichts mehr. Mir war zum Heulen zumute.

Eine Entscheidung musste her. Da ich mich außer Stande sah, morgens um 6 Uhr nach etwa 16 Stunden Laufen eine vernünftige Entscheidung zu treffen, nahm meine Begleiterin und Mitbewohnerin Marlene das Zepter in die Hand und schlug vor, mich ins Krankenhaus zu fahren. Ein Arzt sollte die Situation begutachten und mich schmerzfrei machen, damit ich weiterlaufen kann. Wir fuhren ins “Weserkrankenhaus” (haha) nach Hameln und nach eingehender Untersuchung mit Röntgenaufnahmen und dergleichen, stand die Diagnose fest: Shin Split (eine Überbeanspruchung der Schienbeinmuskulatur, einhergehend mit einer Reizung der Knochenhaut). Das ist bei Ultraläufern ein genauso bekannte, wie auch gefürchtete Diagnose und ungefähr so beliebt, wie eine Himalayadurchquerung barfuss. Denn das heißt: Nicht mehr weiterlaufen, 2-3 Wochen kein Training und danach gaaaaanz langsam wieder anfangen. Dufte! Also fuhren wir total frustriert mit nur 140 km auf dem Tacho wieder gen Hamburg und beschlossen noch auf der Fahrt, dass wir diesen Lauf im nächsten Mai noch einmal angehen werden. Und ihn zu Ende bringen! Das wäre doch gelacht!

Vielen Dank für Euer Mitfiebern!

Auch ein großes Dankeschön an mein Team und alle Sponsoren.

Hauke

© Bilder Christoph Witthohn

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6 Reaktionen zu „Weser, dein Gesicht merk’ ich mir…“

  1. Gerd

    Hallo Hauke,
    schade das es im ersten Anlauf nicht geklappt. Aber gegen manche Einflüsse ist man halt machtlos.
    Trotz alledem Hut ab vor deiner Leistung. Auch wenn nicht alles nach deinen Wünschen verlief.
    Ich bin mir sicher das es im zweiten Anlauf glückt.

    Viele Grüße und vor allem gute Bsserung!
    Gerd

  2. Mike

    Hallo Hauke,

    das ist ja schade,alles so toll vorbereitet, Top-Wetter und dann diese blöde Verletzung.Ich hoffe, Du lässt Dich nicht zu arg herunterziehen und überstehst die Rekonvaleszenz. Alles Gute! Vielleicht sehen wir uns bald mal wieder am Bredenbeker Teich!?
    Viele Grüße von Mike.

  3. Ingo

    Schade und trotzdem Hut ab! Gibt es einen Zusammenschnitt oder einen Clip zur ersten Hälfte der Tour schon irgendwo zu sehen? Und: wirst Du hier weiter über die Vorbereitung zum 2. Versuch berichten? Fragt sich, Ingo

  4. Hauke

    Christoph schneidet gerade einen Trailer zusammen. Kann aber noch ein paar Tage dauern.
    Ich schätze, daß ich hier noch über einige Läufe und Vorbereitungen schreiben werden. Ich habe 2009 sehr viel vor. :-)
    Ich denke über die direkte Vorbereitung werde ich nicht noch einmal schreiben, allerdings über Läufe und Wettkämpfe, an denen ich während der Vorbereitungsphase teilnehme.
    Der Lauf wird im April nachgeholt. Einen genauen Termin gebe ich noch bekannt.

  5. Hannes Christiansen

    Schade, dass es nicht geklappt hat. Ich hätte es dir sehr gewünscht!
    Nun aber erst einmal gute Besserung, damit dein Schienbein beim nächsten Mal mit macht!

  6. Yogi

    Im Ultrabereich gibts ja diesen schönen Spruch: “War der Lauf nicht dein Freund , so war er zumindestens dein Lehrer!”.
    Ich finds schade das es nicht geklappt hat, aber ich weiß auch, das Aufhören viel mehr Größe erfordet als blind weiter zu machen. Respekt!

    Zumindest weißt du für den nächsten Anlauf, was du anders machen kannst. Und ich weiß, das du das wieder machen wirst.

    Shin Splints hatte ich noch nicht, aber ich habe genügend andere beim 6-Tage-Lauf gesehen, die sich damit rumquälten.

    Gute Besserung, Yogi

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