Der frubiase® SPORT blog

11. November 2008
von Hauke König

KILL50 – WIR HABEN GEROCKT!

Damit ich mir den Martinsbasar in der Waldorfschule in Hamburg-Bergstedt entgehen lassen kann, muss schon etwas sehr Wichtiges passieren. So geschehen am letzten Wochenende in Hildesheim. Das ganze nennt sich KILL50 (ich hab schon davon berichtet).
Es sollte ein „Aufbaulauf“ für mich nach längerer Verletzungspause und zweieinhalb-wöchigem Training werden. „Ich glaube, dafür hast du dich im Wettkampf geirrt“, sagte der Organisator des Laufes und Racedirector Michael Neumann zu mir, als er mich vom Bahnhof abholte und wir uns auf der Fahrt zum Treffpunkt im Auto unterhielten.
Ja, irgendwie keimt dieses Gefühl in mir auch auf. Schon allein die Starterliste verrät ein sehr hohes Niveau. Aber ich will das Ding laufen und damit basta. Schließlich habe ich ja beinahe 3 Wochen dafür trainiert. Nach einer kurzen Ankunfts-Ruhe und Umkleidephase gab es ein Briefing für alle teilnehmenden Läufer/innen und nach einer Schweigeminute für einen kürzlich verstorbenen Sportkollegen liefen wir um 18.00 Uhr los. Es ging ziemlich schnell in den Wald und die Berge. Singletrails bergauf – bergab durch knöcheltiefen Matsch und im Licht unserer Stirnlampen. Ich laufe die ersten 20 Kilometer mit Oliver Lau und Hansi Köhler zusammen. Die sind aber mit einem 5.3-5.5 min/km Schnitt viel zu schnell für mich. Ich lasse sie also ziehen und laufe weitere 10 km bis zur ersten Verpflegungsstation alleine durch den Wald. Ich genieße mein eigenes Tempo und den extrem hellen Mond. Manchmal mache ich die Stirnlampe aus um den Nebel, den Wald und die Stimmung in mich aufzunehmen. Das geht aber immer nur kurz, weil ich sonst die 1×1 cm Reflektoren an den Bäumen nicht sehe, die den Weg und somit die Laufstrecke markieren.
Bei Kilometer 34 schließt eine Dreiergruppe zu mir auf, die allesamt ebenfalls zu schnell gestartet sind und jetzt ihr Tempo verringern. Wir laufen und bergauf wird schnell gewandert.
Nach der zweiten und letzten Verpflegungsstation bei km 55 sind meine Beine schwer wie Blei und ich habe das Gefühl mehr zu stolpern, als zu laufen. Die gelaufenen Trails sind knüppelhart und hinterlassen ihre Spuren bei allen Teilnehmern. Die letzten 18 Kilometer vergehen sooo zäh und ich wünsche mich nach Hause auf meinem Sofa zu meiner Katze. Nie mehr mache ich so einen Quatsch mit! Ich telefoniere während des Laufens mehrmals mit meiner Freundin und leide intensiv. Der letzte Höhenzug nimmt kein Ende. Eiskalter Wind, Matsch, knietiefe Pfützen, Steine und Wurzeln unter der Laubdecke, steile, rutschige Auf- und Abstiege und kaum noch Kraft in meinen Beinen. Jeder Schritt schmerzt. Die letzten 7 Kilometer – sind wir jetzt gleich da? Noch 4 Kilometer – gleich ist es zu Ende! Noch 2 Kilometer – Shit, falsch abgebogen. Noch mal zurück auf den Höhenkamm? Oder versuchen, eine Alternativstrecke zu finden? Gefunden! Nach 11.21,40 Stunden, 2200 Höhenmetern und 8479 verbrauchten Kalorien komme ich mit Max und Roland aus Wiesbaden, mit denen ich mich die letzten 25 Kilometer gequält habe, um 05.21 Uhr im Ziel an. Wir können kaum noch die Beine heben und das Duschen und umziehen nimmt groteske Formen an. Aua!!!
Der KILL50 ist definitiv kein „Aufbaulauf“. Er ist ein hammerharter Ultra-Trail Marathon der Extraklasse. 32 von 33 Teilnehmer/innen sind durchgekommen! Eigentlich geht man bei so einem Event von einem Ausfall von um 50% aus! Dass das nicht so war, liegt einzig und allein an der Klasse des Läuferfeldes. Allesamt erfahrene und routinierte Ultraläufer/innen, die genau wussten, was ihnen blüht.
Wer das Ding durchziehen will, muss echt viel, hart und lange trainieren und zusätzlich todesverachtend und ganz schön bescheuert sein :) ! Aber es lohnt sich. Das kann jede/r bestätigen der etwas Ähnliches schon gemacht hat.
Sehr gute Organisation (Danke noch mal, Michael und allen Helfern), sehr gute Strecke (was man halt so unter „gut“ versteht) und sehr gute und nette Läufer/innen (wir sehen uns)!
Im Sommer findet auf teilweise gleicher Stecke der STUNT100 statt – gleich mal doppelt so lang als der KILL50!!! Und mein Name steht auf der Meldeliste…

Fotos: © Randolf Hass

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4 Reaktionen zu „KILL50 – WIR HABEN GEROCKT!“

  1. Gerd

    Das tut ja schon beim Lesen weh.
    Aufbaulauf find ich gut.
    Aber gleich wieder angemeldet. ;-)
    Anscheinend hast Du doch “Blut geleckt”. Nach so einer Quälerei hast Du dir deine Couch redlich verdient.

  2. Ingo

    Glückwunsch an den todesverachtenden KILL50-Killer!
    Was ist Dein nächstes Projekt?

  3. hauke

    Winter-Hochharz-Ultra(3.Januar), Brocken-Challenge(7.Februar), Kind bekommen in unter 10.00 h (mitte März), Hamburg Marathon(26.April)

  4. Torsten

    Respekt, das hätte ich mich nicht getraut. Davon mal abgesehen das ich soweit im flachen noch nicht mal Laufen kann. Wenn man sowas hinter sich gebracht hat, kann man mit recht stolz sein. Jetzt bin ich mal auf den Bericht gespannt vom STUNT100 und natürlich auch ob du im März unter 10h bleibst, das habe ich nur beim 2. mal geschafft. Da war aber Doping (Kaiserschnitt unter Vollnarkose) mit dabei. ;-)

    Gruß
    Torsten

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