8. Januar 2009
von Hauke König
Heute zum Thema „Winterspeck“
Jan A. aus R. fragt:
„Lieber Onkel Hauke, leider habe ich während der Feiertage wieder einmal sehr viel zugenommen. Wie kann ich die überflüssigen Pfunde möglichst effektiv wieder loswerden?“
Onkel Hauke:
„Lieber Jan, wie Dir geht es vielen anderen zurzeit auch. Da wird während der Feier-und Urlaubstage reichhaltig Braten und süßes Naschwerk im Überfluss verputzt und bei einem Blick auf die Waage wird dem Einen oder Anderen dann mulmig zumute. Ich habe da folgenden Vorschlag für Dich, um ca. 9.000 Kalorien in 10 Stunden zu verbrennen:
Nach einer 11-stündigen Autofahrt durch Nebel, Schnee und Glatteis, kam ich um 22.45 h völlig genervt in der Jugendherberge Schierke im Harz an. Die Nacht brachte, dank der 10-14-jährigen Mädels in den Zimmern um mich herum, genau eine Stunde Schlaf. Um 03.00 Uhr klingelte der Wecker und nach einem schnellen Apfelsaft-Müsliriegel-Banane-Apfelfrühstück ging ich in den Eingangsbereich der Jugendherberge, um dort auf die weiteren sechs Mitläufer des Ultralaufs „Winter Hochharz Ultra“ zu warten. Zu meiner Verwunderung kannte ich fast alle von ihnen durch verschiedene Ultraläufe und Marathons in den letzten zwei Jahren.
Um 04.15 Uhr starteten wir bei angenehmen 14-16 Grad MINUS in den tiefverschneiten Wald. Zunächst einmal steil bergauf. Und schon nach etwa einem Kilometer war dann der „Weg“ nicht mehr zu erkennen und wir mussten uns einige Male mit Hilfe von Thomas Ehmkes GPS-Empfänger orientieren. Die Trails, über die wir uns kämpften, waren meist steinige Schmelz-und Regenwassenrinnen mit Schnee, Eis, oder beidem bedeckt. Diese waren allerdings meist so steil, oder so vereist, dass an laufen nicht zu denken war und ich froh war, nicht abzurutschen und 30 Meter tiefer wieder hochklettern zu müssen. Endlich auf dem Wurmberg angekommen, stellte ich fest,
dass wir neben der Wurmschanze (einer Skisprungschanze) hochgestiegen waren. Das erklärte einiges. Zum Beispiel meine völlig leer gelutschten Beine. Ich hatte im Dezember mein Training ziemlich schleifen lassen und das wurde mir jetzt zum ersten Mal schmerzlich bewusst. Aber zum Glück war ich nicht der Einzige, dem es so erging. Also joggten wir wo es ging im Altherrentempo durch die verschneite und wunderschöne Natur. Wir erlebten den Sonnenaufgang auf der Wolfswarte. Windig, kalt, sonnig und wunderschön.
Von jetzt an war der Schnee auf den Wegen granithart gefroren und ich und andere knickten mehrfach mit dem Fuß um, wenn wir in von Fußgängern hinterlassene Spuren rutschten. Ich hatte jetzt schon kaum noch Kraft und zu allem Übel waren bereits nach wenigen Kilometern die gesamten Trinksysteme und der Inhalt unserer Flaschen zu einem Klumpen Eis gefroren. Eine der letzten Trinkmöglichkeiten bot meine Flasche mit frubiase SPORT. Es war zwar eine Eiskristallbrühe, aber wenigstens kam da noch etwas heraus und wir teilten brüderlich. Schnell wurde der Name „frubiaseSport-Cristal Ice“ geprägt.
Im weiteren Verlauf der Strecke war dann Laufen ausgeschlossen. Erstens wegen dem Trainingsdefizit und zweitens, weil es sich auf vereisten Geröllfeldern einfach nicht so gut läuft. Wir wanderten, rutschten und stolperten also im Harz herum.
Mein linker Fußknöchel schmerzte vom mehrmaligen Umknicken immer mehr. In Torfhaus angelangt, entschlossen sich 5 von 7 die Wettkampfstrecke zu verlassen und den direkten Weg nach Schierke zurück zu nehmen, um nach 49 Kilometern wieder am Startpunkt zu sein. Die beiden Anderen wollten auf jeden Fall noch die insgesamt 65 Kilometer lange Strecke zu Ende laufen. Ob sie jemals wieder aufgetaucht sind, weiß ich zurzeit noch nicht.
Kurz hinter Torfhaus trafen wir dann noch völlig überraschend auf Markus Ohlef im Wald. Er ist der Erfinder und Organisator der Brocken-Challenge, die am 07. Februar wieder stattfindet, und zog laufend seinen Sohn auf Skiern hinter sich her.
Bei einer Einschätzung, wie viel Flüssigkeit jeder von uns während der fast 50 Kilometer zu sich genommen hatte, kamen wir auf etwa 400ml (diese Menge verbrauche ich normalerweise auf 7 Kilometern).
8 Kilometer später (gegen 14.00 Uhr und 10 Stunden Rumgeeier) war ich dann wieder in Schierke und bei meinem Auto. Ich verzichtete auf die Dusche zu Gunsten einer Rückreise bei Tageslicht. Zumindest aus dem Harz heraus.
Also, das nächste Mal nur mit Spikes und Teleskopstöcken. Das steht schon mal fest. Ansonsten war es landschaftlich der Hammer. Die Trails würde ich nur zu gerne im Sommer einmal laufen und das Teilnehmerfeld war echt freundschaftlich miteinander verbunden. Alle warteten immer auf den Letzten (ratet mal auf wen) und alle passten gut aufeinander auf. Irgendwie kein Wettkampf, sondern ein Lauf unter Freunden. Sehr gut.
“So, lieber Jan. Wenn Du das zwei- bis dreimal die Woche machst, dürfte der Winterspeck bald kein Thema mehr für Dich sein. Liebe Grüße, Onkel Hauke.”
Hört sich super an – Respekt für die Leistung – war wohl nicht nur ne coole Sache – sondern vor allem ne Ice-coole Sache
Toll geschrieben, und die Einleitung gefällt mir besonders. Allerdings wäre beim wöchentlichen Durchführen ein Knöchelschutz empfehlenswert
War sicher die richtige Entscheidung, dann nicht mehr weiter zu machen.
Der Harz ist traumhaft, da kann ich dir zustimmen. War oft im Urlaub dort, sowohl Brocken als auch Wurmberg. Ob ich da allerdings bei dem Wetter laufen wollte … ich glaube nein
Tolles Event
aber ich glaube soooo viel kann ich gar nicht essen!
Hugh Hauke altes Haus!
Du bist also doch hier gelandet! Sehr schön! Lauf weiter, habe es mit Genuss gelesen. Ich hätte auch nichts dagegen 9000 Kalorien zu verbrennen, aber meine Beine machen das noch nicht mit. Na, vielleicht mal später.
Dein Ex-Teilweisestreckenbegleiter CHRISTOPH
Wow, was für eine Schinderei. Fetter Respekt!