2. Januar 2009
von Dr. C. Lukas
Sport ist Mord oder Fit und gesund durch Sport?
Die häufig selbsternannten „Fitnesspäpste“ unserer Zeit empfehlen, soviel Sport wie möglich zu treiben. Am besten täglich und als Ziel sollte der erste Marathon stehen.
Andererseits müssen zunehmend sportliche Karrieren aufgrund von Verletzungen und Überlastungsschäden am Bewegungsapparat beendet werden. Wo liegt der gesunde Mittelweg?
Die Antwort ist einfach – es gibt nicht den einen Weg. Jeder ambitionierte Sportler sollte in Zusammenarbeit mit seinem Arzt anhand der körperlichen Voraussetzungen und der Ziele das für ihn optimale sportliche Training definieren.
Zunächst kommt es auf das Alter des Patienten an:
Ein Kind, das sich noch im Wachstum befindet, wird eventuell durch sportliche Belastung, insbesondere beim Leistungssport, überfordert. Überlastungsschäden im Bereich der Wachstumsfugen können hier zu vorzeitigem Wachstumsfugenschluss führen. Der Knochen ist in seinem Wachstum gestört, daraus können Fehlbildungen resultieren. Hier gilt es, die richtige Sportart und deren Ausmaß zu empfehlen sowie beginnende Überlastungen zu erkennen.
Junge, gesunde Erwachsene hingegen haben oft einen hohen Leistungsanspruch, z.B. den ersten Marathon. Gleichzeitig besteht häufig die Angst vor Überlastungsschäden durch die hohe Trainingsbelastung. Hier ist vor allem eine differenzierte Trainingsberatung nach eingehender Untersuchung notwendig, die das Wissen um die Belastungen der einzelnen Sportarten voraussetzt.
Beim Widereinsteiger im fortgeschritteneren Alter gilt es dann herauszufinden, welche degenerativen Vorschäden bzw. welche Risikofaktoren vorhanden sind, die der Sportler aus seiner „ersten Sportkarriere“ noch nicht kennt.
Ein sinnvoller Check-up sollte, bezogen auf den Bewegungsapparat, folgendes enthalten:
- Eingehende Befragung zur „Sportlerkarriere“, zum aktuellen Training und zur Krankengeschichte
- Orthopädische Ganz-Körper-Untersuchung mit Inspektion und Untersuchung der großen Gelenke und der Wirbelsäule und Erhebung des Muskelstatus
- Beratung zu Belastbarkeit, Leistungsfähigkeit und empfohlenen Sportarten
- Trainingsberatung
Bei auffälligen Befunden müssen gegebenenfalls weitere Untersuchungen veranlasst werden.
Sinnvoll ist zudem ein internistischer Basis-Check. Dieser kann dann in Abhängigkeit von Zielen und Risiken ausgeweitet werden. Unbedingt empfehlenswert sind körperliche Untersuchung, Ruhe- und Belastungs-EKG sowie ein Blutbild. Ergänzend können z.B. eine Leistungsdiagnostik (Laktat-Test), eine Lungenfunktionsprüfung oder ergänzende Blutwerte für eine suffiziente Beratung notwendig sein.
Diese Grund-Untersuchungen kosten nicht mehr als ein gutes Paar Sportschuhe, sind für die eigene Gesundheit jedoch mindestens so sinnvoll!