Der frubiase® SPORT blog

20. April 2009
von Thomas Ehmke

Schnee zu Ostern oder 100 Meilen Adventure run

thomasehmkeVor ein paar Monaten habe ich mich entschieden, spontan noch einen 100 Meiler in meinen Terminplan für 2009 mit aufzunehmen. Der Termin lag nicht perfekt, aber ich habe nach Absprache dann doch das GO von der Familie bekommen.
Der 100 Meiler ist der „100 Meilen Adventure run“ von Carsten Mattejiet aus Bremen gewesen. Der Lauf startete am Karfreitag in Schierke über umgerechnet 161 km mit 5100 Höhenmetern, auf drei verschiedenen Runden durch den Oberharz als reiner Selbstversorgerlauf.

Da ich bei Carsten in den letzten Jahren schon viel gelaufen bin und auch rund um Schierke schon etliche Kilometer gesammelt habe, wusste ich schon, dass die Strecke mehr als schwierig werden wird. Im Klartext schwierige Orientierung und knackige Berge sowie anspruchsvolle Trails. Ich sollte recht behalten…

Aber erstmal von vorne: In den letzten Tagen vor dem Lauf habe ich mich dann entschieden, allerhöchstens 100km zu laufen und das Ganze eher als Training zu sehen da ich sonst das Osterfest laufend oder mit müden und/oder kaputten Körper verbringen muss. Und im Nachhinein war das eine der wirklich guten Entscheidungen.

Also dann auf nach Schierke, ich hatte schon im Vorfeld die Streckenverläufe bekommen und mir die passenden Tracks für mein GPS programmiert. Sodass ich wohl kaum eine Karte brauche, dachte ich zumindest. Aus Zeitgründe konnte ich das Briefing am Vorabend nicht mit machen (was ich wohl besser gemacht hätte).
Morgens um 2 Uhr hieß es dann aufstehen und die noch zuhause eilig ins Auto geworfen Sachen sortieren. Was für ein Wunder, ich habe nichts vergessen. Hier mal alles das, was ich immer mit nehme (außer dem Stepper natürlich :) )

hundertmeilen0Ich wühle mich also durch ein Auto voll mit Essen und Trinken. Da ich mich ja selbst verpflege, ist es wirklich voll. :-)
So stehe ich mal wieder dick eingepackt mit neunzehn anderen Teilnehmern beim Start an der Jugendherberge. Mit dabei sind viele bekannte Gesichter, irgendwie trifft man immer die gleichen Leute bei so was. Sogar Hauke ist da, der aber nur eine Strecke von 50km laufen will.
Dann Uhrenvergleich und der Start. Nach dem Startschuss trottet alles los, keiner läuft schnell. Alle trotten die Brockenstrasse hoch und dann gehen wir in 1h30min auf der gut geräumten und trockenen Brockenstrasse auf den Gipfel. Oben liegt noch ein Meter Schnee, aber es ist schön warm.
Dann geht es wieder die Brockenstrasse runter zurück zum Auto. Das war der Prolog von 21km! Nicht schwer und mit 2h30min schneller als ich eigentlich wollte. Also kurz umgezogen am Auto und dann einen anderen (größeren) Rucksack auf. Die nächste Runde hat 62km also grob gerechnete 10h zu laufen. Wenn ich da schon gewusst hätte ….

In der zweiten Runde hat sich nun eine Gruppe von schnellen Läufern schon abgesetzt. Ich pendele ein bisschen zwischen zwei Gruppen, da keine von beiden wirklich mein Tempo läuft.

hundertmeilen1Es geht auf der sogenannten Sandbrinkstrasse nach Torfhaus. Eigentlich ist es vielmehr ein befestigter Kiesweg, der in einen Waldweg übergeht. Zu sehen ist davon nichts mehr. Nur noch Schnee, Eis und Schmelzwasserpfützen! Ich trotte weiter den Weg nach oben, immer wieder mit dem Versuch, zu laufen, was wirklich schwierig ist auf dem Gemisch von angetautem Schnee und Eisplatten. Es ist jetzt hell und super schönes Wetter kündigt sich an. Zu dem Zeitpunkt sind die Wege natürlich auch kaum noch erkennbar und ich laufe nur noch nach Kenntnis der Strecke aus dem Kopf und nach meinem GPS. Andere Läufer haben mit der Orientierung wirkliche Probleme, sodass ich jetzt viele wieder einhole. Unter anderem auch Simone Stegmaier, mit der ich ab diesem Zeitpunkt zusammen laufe. hundertmeilen2Wir kämpfen uns durch tiefen Schnee und Schmelzwasserbäche vorwärts. Die Orientierung funktioniert teilweise nur noch mit GPS. So kommt es, dass wir nach 2h die Führungsgruppe einholen und auch für kurze Zeit überholen. Zusammen machen wir ungefähr nach der Hälfte der Runde eine Pause an der Hans-Kühnen-Burg, dort ist auch eine bewirtschaftete Hütte. Es gibt Apfelschorle, Schmalzbrot und Brühe. Danach geht es weiter zurück nach Schierke, wie sich schnell zeigt, ist das der schwierigste Teil des Laufs. Nach ein paar Kilometern kommen wir kaum noch voran, die Wege sind nicht da, wo sie sein sollen. Nur noch Schmelzwasser überall auf den Wegen. Ich muss das erste Mal zur Orientierung eine Karte dazunehmen, langsam traue ich meinem Track nicht mehr, das GPS zeigt Wege auf, die es nicht gibt. So brauchen wir an einer Stelle 2 Stunden für 2 Kilometer – das zehrt an den Nerven. Spätestens an diesem Punkt bin ich froh, nicht 100 Meilen laufen zu wollen.
Unsere Vorräte nehmen rapide ab. Die Wasservorräte stocken wir jetzt schon aus Dammgräben oder Quellen auf und zu Essen hat kaum noch jemand etwas, schließlich sind wir jetzt auch schon elf Stunden unterwegs. Die letzten Kilometer sind dann noch mal richtig schwer, sodass wir spontan beschließen, in Oderbrück in eine Gaststätte zu gehen und etwas zu essen. Es ist 20 Uhr Abends und wir sind seit 15h 45min unterwegs. Wir haben noch einen Gipfel und mehrere schwere Kilometer vor uns. Nach kurzem Telefonat mit Carsten dem Veranstalter erfahren wir, dass der Rückweg über 10cm hoch unter Wasser steht und kaum noch begehbar ist. Nach längerer Überlegung lassen wir uns alle mit dem Auto aus Oderbrück abholen.
Um 20:44 Uhr zurück in Schierke, verschwinde mit 1,5l Cola unter der Dusche und fahre dann nach Hause. Bevor ich abfahre, höre ich noch, dass nun alle Läufer aus der Strecke geholt werden sollen.
Eine Gruppe wird nicht erreicht und kommt nachts um 3 Uhr in Schierke an. Sie haben knapp 100km in 23 Stunden geschafft. Wirklich eine irre Leistung!
Im Internet lese ich dann, dass es nur zwei Läufer geschafft haben, überhaupt die gesamte Strecke zu laufen. Peter Jansen in 43 Stunden und Jörg Hafner in 57 Stunden. Sie haben beide die Nächte geschlafen und sind tagsüber gelaufen!

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2 Reaktionen zu „Schnee zu Ostern oder 100 Meilen Adventure run“

  1. Hauke

    Ich kann dir nur beipflichten. Die Strecke war als solche in vielen Teilstücken nicht mehr zu erkennen. Ich bin oft auf`s geratewohl irgendwo durchgelaufen, wo weniger Bäume standen und ich unter der Schneedecke den Trail vermutete. Die Sache mit dem durch die Schneedecke brechen hat irgendwie auch ganz schön geschlaucht. Gut, daß ich bei Km 30 die Führungsgruppe verlassen habe und über wunderschöne Trails (Märchenweg) 24Km zurück nach Schierke gelaufen bin. Ach ja, auch ich habe auf den letzten 7 Kilometer meine Flasche mit Bachwasser gefüllt und…
    …sofort Durchfall und Magenkrämpfe bekommen.
    Wie schön, daß der nächste 100Meilen Lauf dort im Mai 2010 stattfindet. Und hoffentlich ohne schneekatastrophale Bedingungen. Also: Augen auf beim Dauerlauf !

  2. Hannes

    Wahnsinn. Das klingt für mich irgendwie total verrückt, aber von der Grundidee her auch wirklich schön. Nur die Bedingungen waren wohl alles andere als günstig. Die beste Entscheidung, dann doch nicht alles laufen zu wollen. Auch so verdienst du schön höchsten Respekt dafür!

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