Der frubiase® SPORT blog

2. Juli 2009
von Hauke König

24 Stunden in Stadtoldendorf

stadtold24_01„Irgendwas ist ja immer!“ Das könnte eigentlich der Spruch zu der Veranstaltung sein. Einen Tag vorher bin ich in Göttingen und stelle fest, dass ich meinen Rucksack mit meinem Technikequipment (u.a. meine Uhr mit Pace und Pulsanzeige) zu Hause in Hamburg gelassen habe. Das ist dann blöd, wenn man seine Renntaktik auf eine genaue Zeit/Pace- Einteilung aufbaut. Dumm gelaufen! Aber ich bin in Göttingen und da wohnt Frank Kleinsorg, der genauso schnell hilft, wie er läuft. Nach einer nächtlichen Radtour durch die Stadt habe ich dann wenigstens eine Pulsuhr. Geht doch! Und Danke noch mal an Frank.
Am nächsten Tag in Stadtoldendorf habe ich folgendes Problem: Ich weiß nicht, wo ich meine Wechselsachen, Getränke, Riegel etc. so an der Strecke platziere, dass ich beim Laufen gut dran komme. Als ich also auf der Suche nach einer Art Dach die Strecke entlanggehe, treffe ich auf einen schönen, großen Pavillon und direkt dahinter ein Zelt mit Liege, Essensvorräten, Wechselklamotten und…

stadtold24_02…Leuten, die ich kenne. Michael Neumann nebst Frau Susanne. Die Kill50/Stunt100-Crew vom TSV Sibbesee. Sie betreuen hier mehrere Läufer und ich darf meine Sachen wie selbstverständlich dazustellen. Super! Dafür könnte ich euch jetzt noch knutschen.
Norbert Künkel, Marianne Dahl, Klaus Schwäbig, Hansi Köhler, Brigitte Koczy und Heiner Schütte werden hier betreut. Meine Klamotten stehen trocken, das Wetter ist gut und um 13.30 Uhr fällt der Startschuss zur Deutschen Meisterschaft 2009 im 24 Stunden Lauf der Deutschen Ultramarathon Vereinigung.

Ich schaue auf die Pulsuhr und gebe Gas. Schon nach den ersten Runden auf dem etwa 2 Km langen Rundkurs erweitert Michael seinen Aufgabenbereich und betreut mich auch gleich noch mit. Er reicht mir Getränke an, fragt nach Wünschen und betreut sich in mein Herz. Nach etwa vier Stunden überhole ich die führenden Michael Irrgang und Wolfgang Schwerk. Die wollen sich aber nicht so einfach überholen lassen. Und weil die beiden die Speerspitze der deutschen 24-Stundenläufer bilden, greifen sie tief in die Trickkiste ;-) . stadtold24_03Michael Irrgang lenkt mich durch Gespräche ab, während Wolfgang Schwerk sich von hinten heranpirscht und schallend anfängt Wanderlieder zu schmettern. Michael Irrgang erzählte mir, dass Wolfgang ein ausgebildeter Opernsänger sei. Man hört’s. Ich bin verwirrt, habe aber ein Ass im Ärmel. Meine Geheimwaffe. Ich lasse die beiden ziehen, setze meine Kopfhörer auf und mache Slayer an. Volle Pulle. Ahhh, eine Wohltat und zugleich Balsam für die Ohren eines Liebhabers der gepflegten Musik. Nach etwa fünf Stunden meldet meine Hüfte (nicht die Ohren) sich mit immer stärker werdendem, stechendem Schmerz. Nachdem ich lange mit mir selbst ringe, halte ich am Verpflegungsstand an und nehme eine Schmerztablette in der Hoffnung auf ein Wunder. Dieses geschieht auch nach etwa 20 Minuten und dauert genauso lange. Dann sind die Schmerzen wieder da und werden immer heftiger. Ich lege immer mehr Pausen ein, setze mich, rotiere mit der Hüfte. Bringt alles nix. An ein Weiterlaufen ist hier nicht zu denken und da fällt die Entscheidung relativ leicht, nach 74,88 Km und ungefähr 7 Stunden 45 Minuten den Lauf zu beenden. Aber was ist schon ein schwarzes Loch, wenn davor das Verpflegungszelt des TSV Sibbesee steht. Ich ziehe mich um und beteilige mich von jetzt ab an der Verpflegung und Versorgung der Kolleginnen und Kollegen im Rennen. Am späten Abend und in der Nacht knicken immer mehr Läufer ein. Darunter auch einige Favoriten und selbst unser Hansi Köhler. Einzig die Mädels ziehen ihr Ding gnadenlos durch. Michael Eilers ist am Nachmittag auch extra zum Betreuen angereist und mit ihm stehe ich oft staunend und die Damen mit echtem Respekt beklatschend auf der Bahn. Marianne stellt am Morgen einen neuen deutschen Rekord in ihrer Altersklasse auf und ist ab jetzt auf Weltrekordkurs! Ich werde dann leider schon morgens gegen 9.30 abgeholt und wünsche allen noch viel Glück.

Für mich war es eine sehr gute Erfahrung das ganze Spektakel auch mal von der anderen Seite mitzuerleben und ich würde das jederzeit noch mal machen. Allerdings werde ich wohl in diesem Jahr noch einen 24er laufen müssen. Ganz. So kann ich das ja schließlich nicht stehen lassen.

Übrigens: Marianne hat mit 176,519 Km einen neuen Weltrekord für die Altersklasse W65 aufgestellt. Wie geil !!! Herzlichen Glückwunsch an dich und auch an Mario Sargasser. Hervorragend gemacht!

Fotos: Sigi Bullig und Michael Neumann

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3 Reaktionen zu „24 Stunden in Stadtoldendorf“

  1. Hannes

    Mensch, anfangs hast du die Probleme noch so schnell aus der Welt schaffen können, da hatte ich auch an das Wunder bei deinen Hüftschmerzen gehofft. Schade, aber wie ich deinem Text entnehme, hat es dich nicht ganz so sehr gewurmt. Das ist schön, wozu auch.

  2. Michael

    Pssst. Sie ist nicht meine Frau. Sie ist meine Freundin.
    ..ooOO(Hoffentlich liest meine Frau hier nicht mit) ;-)

  3. Tilman

    Hey Hauke,

    ich freue mich schon auf den Müritzlauf – nimmste mich Huckepack, wenn’s nicht mehr geht ;-) ))?

    (Das mit den Hüftschmerzen waren bestimmt auch Slayer. Die kennen dich nämlich schon und wissen, wo’s wehtut…)

    Viele Grüße
    Tilman

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