Der frubiase® SPORT blog

29. Dezember 2009
von Hauke König

Schon wieder im Knast

Nachdem ich im Mai den Knastmarathon in der Darmstädter JVA mitgelaufen bin, war ich nun kürzlich eingeladen an einer Veranstaltung teilzunehmen, die zur alljährlichen Vorbereitung des Knastmarathons gehört. Nachdem die letzten beiden Jahre der Extremläufer Achim Heukemes nebst Lebensgefährtin für das nötige Maß an Motivation gesorgt hatten, war es diesmal kein geringerer als Andreas Niedrig, der durch einen Vortrag dazu beitragen sollte, die Motivation der Häftlinge ins Unermessliche zu steigern.

Andreas ist ja bekanntlich einer DER deutschen Triathleten der 90er und frühen 2000er und ist außerdem durch sein Comming-out als Ex-Junkie und Beschaffungskrimineller in seinem Buch „Vom Junkie zum Ironman“ bekannt geworden. Das Buch wurde bereits unter dem Titel „Lauf um dein Leben“  mit u.a. Max Riemelt, Axel Stein und Uwe Ochsenknecht in den Hauptrollen verfilmt. Ich persönlich finde den Film sehr gelungen und habe ihn mir schon mehrfach angeschaut.

So und dann stehe ich bei gefühlten Minusgraden in der Turnhalle des Gefängnisses und darf diesem Typen zuhören. Die Gefangenen werden noch aus ihren Arbeitsbereichen abgeholt und lediglich eine handvoll Leute stehen auf dem bestuhlten Hallenboden herum. Plötzlich habe ich das Gefühl, der Raum wird heller und als ich mich umdrehe kommt ein gut gelaunter Andreas Niedrig herein. Er schüttelt allen umstehenden die Hand und begrüßt sie sehr nett. Nachdem er Laptop, Beamer  und Gedöns aufgebaut hatte, setzte er sich neben mich auf einen Stuhl und es begann sofort ein sehr intensives Gespräch. Andreas ist einer der Menschen, mit denen ich mich völlig problemlos drei Tage ohne Unterbrechung und ohne, dass es langweilig werden würde, unterhalten könnte. Nach einer ganzen Weile kommen dann die Häftlinge auch herein und der Vortrag beginnt.

Es sind spannende Episoden aus dem Leben des Andreas Niedrig, die in ihren Anfängen sicherlich auch vielen Biografien der Anwesenden entsprach. Dazu allerdings immer wieder der Bogen, wie er es dort herausgeschafft hatte. Vieles war sicherlich auch der Liebe seiner Frau und seiner Tochter zu verdanken. Und so gab es berechtigterweise auch die Frage eines Gefangenen, wie man so etwas vollbringen könne, wenn man niemanden „draußen“ habe.

Die Antwort: „Es ist erst einmal wichtig, dass ihr an euch selbst glaubt.“

Tja und was könnte da besser sein, als ein Marathonlauf mit all seinen Vorbereitungen, Entbehrungen, Schmerzen und vor allem der Disziplin, die man braucht. Nicht für andere, sondern für sich selbst.. Wer das einmal geschafft hat, der hat definitiv sein Leben verändert und hat dadurch die Möglichkeit weiter an sich zu arbeiten. Weil er nun weiß, wie es geht!

Da spreche auch ich als Fachmann.

Es gibt noch zwei kurze Filme zu sehen und viele Geschichten aus dem sportlichen Leben von Andreas. Was mir zum Beispiel sehr hängengeblieben ist, ist die Geschichte, wie er am Gesäßmuskel verletzt während eines Wettkampfes 100 Kilometer im Stehen Rad fahren musste. Oh Mann, Respekt!

Ich denke aber, die wichtigsten Anmerkungen aus dem Vortrag kann man wie folgt zusammenfassen:

  1. Jeder hat zu jeder Zeit die Möglichkeit sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und etwas Gutes daraus zu machen
  2. Glaubt an euch
  3. Lebt im Moment und seid ganz bei dem, was ihr gerade tut,

und schließlich:
Gebt niemals auf!

Meine Lebenserfahrung als Mensch, als beruflicher Sozialfuzzi und als Sportler sagen mir:

Andreas Niedrig hat Recht und er hat es sehr anschaulich und mit beispielloser Herzenswärme vermittelt. Besser geht es glaube ich nicht. Vielen Dank, Herr Niedrig !

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