15. März 2010
von Hauke König
Tortour de Ruhr
Die Tortour de Ruhr ist mit 230 Kilometern der längste Nonstop-Ultramarathon, den es hier zu Lande gibt und findet an Pfingsten statt. Was mich daran so sehr reizt, ist die Tatsache, dass der Organisator Jens Vieler (selbst passionierter Long Distance Runner und Triathlet) es geschafft hat, einen Lauf über 230 Km von der Ruhrquelle bis zur Mündung der Ruhr nach Duisburg zu organisieren. Zur Veranschaulichung: Das entspricht der Strecke Süderbrarup – Jesendorf! Und das heißt für Jens: Ein sehr lang gezogenes Teilnehmerfeld über eine unglaublich lange Strecke zu versorgen, Ansprechpartner vor Ort zu haben, Verpflegungspunkte auf und abzubauen und mit Leuten zu besetzen, die über viele Stunden dort die Läufer verpflegen und und und. Ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn es nicht viele Läufer gäbe, die auf ganz genau solche Läufe Lust haben. Aber wer ist so irre und organisiert so etwas schon im Normalfall? Durch die Veränderung der „Kulisse“ während des Laufens kommt nämlich nicht so schnell Langeweile und/oder Frustration auf. Man begibt sich auf eine Reise im ganz klassischen Sinne (ja, natürlich auch im transzendentalen Sinne, aber darum geht es jetzt mal nicht) entlang der Ruhr und es ist eine große Leistung so etwas auf die Beine zu stellen. Das nur mal so vorab.
Für mich bedeutet die Teilnahme an einem solchen Lauf ein bunter Strauß voller elendig anstrengender Vorbereitungen, die in erster Linie mit– ihr ahnt es – Laufen zu tun haben. Aber auch mit der Frage: „Wer betreut mich während des Laufs?“ Oder: „Wie viel Training ist noch hilfreich und ab wann wird es kontraproduktiv? Und: „Wie trainiert man so etwas überhaupt?“ Fragen über Fragen. Auch wenn Thomas Ehmke zu solchen Läufen sagte, es wäre ja fast schon Schummeln, weil es stetig bergab geht, komme ich um eine gute Vorbereitung trotzdem nicht herum.
Ich denke, es wird irgendwann im Verlauf des Rennens immer wichtiger, mich auf den Betreuer verlassen zu können. Der feuert an oder bremst mich, wenn ich „maddelich“ (Norddeutsch für „unkonzentriert, erschöpft“) werde und bei vielen Entscheidungen für jede Hilfe dankbar bin. Jemand, der sieht wie es mir geht und der sagt, dass es den anderen Läufern jetzt auch nicht besser geht. Das sind die kleinen, aber in mancher Situation die einzig richtigen Sätze, die ich dann hören will. Vor allem wenn ich sie mir selbst nicht mehr vorsagen kann. Hört sich hart an, ist es auch. Nach 14, 20, oder gar 40 Stunden (nicht Kilometern) auf der Piste befindet man sich seelisch-geistig nicht mehr dort, wo der eigene Körper durch die Botanik stolpert. Das ist mal sicher. Ich habe einmal bei einem 24-Stundenlauf erlebt, dass die Betreuer den Läufern Schilder mit Fragen hingehalten haben wie zum Beispiel: Wie heißt die größte deutsche Insel? Wie hoch ist der Kölner Dom? So etwas sorgt für Abwechslung, schärft die Konzentration und ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Betreuungsarbeit. Es ist halt wichtig, die richtigen Worte zu finden. Genau wie man einer trauernden Witwe nicht sagen kann: „Der Typ war doch eh ‘n Idiot“, oder einer Gebärenden: „Mach hin, ich will endlich eine rauchen!“ Ich weiß das aus Erfahrung. Ein guter Betreuer kann einen in manchen Situationen retten. Allerdings wachsen solche Leute nicht gerade an den Bäumen. Und so bin ich in den meisten Fällen auf mich selbst angewiesen, was das positive Denken angeht. Das Problem, welches daraus resultiert ist folgendes: Während des Laufens vergesse ich oft die guten Gedanken und die von mir persönlich in wochenlanger Kleinarbeit im Geiste vorformulierten Durchhalteparolen. Ich versuche dann, wenn es richtig weh tut, mich daran zu erinnern, was ich mir in diesem Falle selbst suggerieren wollte. Aber wie könnte es anders sein, ich komme oft einfach nicht mehr drauf, weil die Schmerzen alles Denken überdecken. Meinen Kopfinhalt könnte man in solchen Situationen mit „nasser Schwamm“ oder ähnlichem beschreiben. Ich werde also in Zukunft dazu übergehen, mir den Kram aufs Handgelenk zu schreiben und ab und zu mal draufzuschauen, falls ich dran denke.
Der nächste Punkt ist das Training. Leider hat mir ein Virusinfekt nach dem anderen mein Training während des gesamten Februars und der ersten Märzwoche versalzen. Das heißt ich muss jetzt nicht nur mein Form verbessern, sondern erst einmal überhaupt eine aufbauen. Super! Das heißt ganz von vorne beginnen mit laaaangen Ausdauereinheiten und dem verdammten Intervalltraining. Naja, wie Hansi Köhler schon sagte: „Effizientes Training findet außerhalb der persönlichen Wohlfühlbereiches statt!“ Und obwohl er sich auch gleich für diese „Klugscheisserei“ entschuldigte, hat er trotzdem Recht. Na vielen Dank! Also nicht mehr länger vorm Laptop rumhängen, sondern ab in die Gegend. Pfingsten ist nicht mehr weit. Und 230 Kilometer am Stück sind nicht wirklich locker zu laufen und wollen auch nicht nur mäßig vorbereitet sein, wenn man nicht mehrere Tage unterwegs sein will ![]()
an dieser Stelle nochmal der Hinweis, das es sich um einen Selbstverpflegerlauf mit *eigene* Crew der Läufer handelt. Die VPs sind lediglich Zugabe und nicht garantiert!!! Siehe Ausschreibung http://www.tortourderuhr.de/ausschreibung.shtml
Viel Erfolg bei der Vorbereitung
Jens, Orga
Danke. Wir sehen uns dann. Ich freu mich drauf.
Hallo Hauke,
na, dann sehen wir uns ja über Pfingsten! Ich bin vorgestern den Bienwald Marathon als Vorbereitungslauf zur Tortour gelaufen und ganz zufrieden angekommen. Ansonsten habe ich auch noch nicht genug Trainingskilometer in den Beinen, aber jetzt wird es ja endlich Frühling und wir können loslegen…
In diesem Sinne wünsche ich dir eine gute und vor allen Dingen eine verletzungsfreie Vorbereitungszeit!
Viele Grüße aus dem fast schon sommerlichen Waldsee
Günther
Hallo Hauke,
das schaffst du schon! Wir sehen uns ja bei der TorTourdeRuhr.
Ich selber mache z.Zt. einige längere Läufe um Oberhausen aber auch noch im April zwei 24er. Da kannste auch gerne starten zwecks Training:
http://www.Kultur-Run.de inkl. Freiübernachtung im Hostel!!! oder http://www.Gladbeck-laeuft.de
Schau dir das mal an.
Grüße aus Oberhausen, Yogi
Ich schätze Hansi Köhlers fachkundige Einschätzungen sehr, aber das mit dem Wohlfühlbereich ist bei mir anders. Ich lauf im Training so, wies mir gerade Spaß macht. Richtig lange Einheiten halten sich sehr in Grenzen, obwohl ich weiß, dass sie nötig sind. Und wenn ich abends den Hintern nicht vom Sofa hochkriege, ist das auch ok. Kommt allerdings selten vor.
Nicht mehr im Wohlfühlbereich ist dann aber (in Teilen) der Wettkampf. Da beißt man sich aber dann auch durch, nach dem Motto: Der Schmerz geht, der Stolz bleibt. Mit dieser etwas breitärschigen Einstellung habe ich Hansis STUNT100 schon zweimal überlebt, die Tortour werd ich so hoffentlich auch packen.
Wir sehen uns Pfingsten!
Oliver
@ Günther : Danke
@ Yogi:
schnell mal den Kalender gecheckt. 16.-17. April? Geht klar! Melde mich noch bei dir.
@Oliver: Ich habe Hansi so verstanden, daß er damit die schnellen Einheiten meint. 30-38 Km volle Pulle und sowas.
Hallo Hauke,
verstehe so langsam, wir sehen uns also auch bei der TTdR:-).
Deine Gedanken zu der Unverzichtbarkeit der Betreuer in den Phasen von nasser-schwamm-kopf finde ich sehr treffend. Ich bin mal gespannt, wie lange meine eigenen Durchhalteparolen denn wirken und wieviel meine armen Betreuer kompensieren müssen….
Viele Grüße aus Köln,
Susanne
Hallo Hauke.
Glaub uns wir hätten dich (auch Thomas) gern betreut. Aber wie du weist ist das unser einziges freies Wochenende das wir nicht mit der Planung/Durchführung oder Betreuung von 100Meilern verbringen.
Und glaub mir noch was. Wir hätten dich auch über die Strecke gebracht. Im Zweifel hätte meine Ausbildungsmethode beim Bund(t) gegriffen.
“Lernen durch Schmerz” *evilgrin* Du wärst nicht der erste Pflegefall den wir durchgebracht hätten.
Gruß von Mich-DiePeitsche-ael Su-DasZuckerbrot-sanne