29. April 2010
von Hauke König
Die 24 Stunden Alternative
Eigentlich wollte ich am vorletzten Wochenende am 24 Stunden Kultur Run auf dem Gelände der Zeche Oberhausen teilnehmen. Doch leider verpasste ich meine Mitfahrgelegenheit. Wir warteten an verschiedenen Stellen aufeinander. Und noch während ich im kalten Wind vergeblich auf meinen Fahrer wartete, war mit klar: Ich werde dieses Wochenende einen 24-Stunden-Lauf hinlegen – wo auch immer. Denn es war mittlerweile zu spät, um es noch pünktlich nach Oberhausen zu schaffen. Freitagnachmittag eben.
Ich fuhr also mit der U-Bahn nach Hause und überlegte mir auf der Fahrt, bei mir Zuhause zu laufen. Ich kaufte also Verpflegung ein, packte meine Reisetasche aus, zog mich um und startete zeitgleich mit den Läufern in Oberhausen um punkt 21:00 Uhr.
Es wurde Nacht und ich drehte meine Runden. Eine 4,1 Km Runde um den Schüberg und entlang des Bredenbeker Teiches. Aber allmählich wich die Euphorie über mein Vorhaben der Feststellung, dass nachts Runden in Feld und Wald zu laufen, erschütternd langweilig und demotivierend ist. Die Lust am Laufen verging mir immer mehr. Kein Wunder, denn ich kam ja nirgends an. Und im Dunkeln nur dem Lichtkegel der Stirnlampe hinterherzulaufen ohne, dass ich mich ablenken oder unterhalten konnte, nervte. Ich beschloss dann eine Pause zu machen und auf meinen alten Kumpel Sonne zu warten. Sobald es hell war, ging es dann weiter. Ich lief nun eine 8,4 Km Runde und genoss den wolkenlosen blauen Himmel in vollen Zügen. Allerdings gab es bis zum frühen Nachmittag noch sehr starke Temperaturschwankungen. In der Sonne und an windgeschützten Abschnitten stieg die gefühlte Temperatur auf 23°C, im Schatten und im Wind auf gefühlte 6°C. Ich zog mich nach jeder Runde um. Jacke an, Weste drüber. Zu warm. Jacke aus, Weste und zwei Trikots an – zu kalt. Nur Jacke – ging erstmal. Gegen Nachmittag waren dann die Weste und die Trikots die beste Lösung. Der Tag verging wie im Fluge und ich verspürte keinerlei Müdigkeit oder Erschöpfung. Das könnte unter anderem daran liegen, dass ich von vorne herein mein Tempo auf ein Minimum reduziert hatte. Nicht möglichst viele Kilometer wollte ich laufen, sondern möglichst lange durchlaufen. Und genau das tat ich dann auch. Um 15:00 Uhr machte ich eine kurze Gehpause um danach wieder locker und gemächlich weiter zu joggen. Meine Schwester begleitete mich am frühen Abend bei einer Runde und mir fiel auf, dass ich die ganze Zeit über mit niemandem gesprochen hatte. Und während wir uns so durch die Botanik quatschten, spürte ich dann auch meine Erschöpfung. Endlich. Es wurde mir nämlich langsam unheimlich, dass ich mich bis dahin noch so fit fühlte. Die Kraft wich aus den Oberschenkeln, die Füße schmerzten und ich hatte keine Lust mehr. Was mache ich da eigentlich? 24 Stunden in einem Event wie dem Kultur Run in Oberhausen zu laufen, mit vielen mir bekannten und unbekannten Läufern und einer Menge Zuschauern und Kulturprogramm am Rande der Bahn – geht klar. Aber 24 Stunden zuhause und alleine: Ich muss bescheuert sein. Also erklärte ich meine 24 Stunden nach 22,5 Stunden für beendet, ging duschen und genoss den Restabend auf dem Sofa mit hochgelegten Beinen.
Fazit: Das nächste Mal fahre ich mit meinem Auto!
Ultraläufe in der Heimat. Das ist eine wirklich reizvolle Idee! So à la Ultra Trail du Mont Schüberg, Büsenbachtal Crossing, Western St Peter Ording 100, die 100km von Kiel etc
Sollte man mal drüber nachdenken.
Ein “einsamer” 24h Lauf ohne fremde Verpflegung. Gewöhnungsbedürftig?
Mich wundert, dass Du dies so lange durchgestanden hast.
Vielleicht solltest Du eine größere Runde wählen!
Ja, eine größere Runde wäre ich eigentlich auch gerne gelaufen. Ich hätte dann allerdings Verpflegung mitnehmen müssen. Da hatte ich aber so gar keine Lust zu.