14. Juni 2010
von Martin Orban

Sport bei Heuschnupfen, Allergie und allergischem Asthma

Seit ein paar Tagen ist nun endlich Sommer in Deutschland. Der endlose Regen, der uns seit eineinhalb Monaten beherrscht hat, ist nun vorbei. Alle freuen sich. Wirklich alle? Für Menschen mit Heuschnupfen (Gräser- und Getreideallergien) beginnt mit dem schönen Wetter jetzt die Leidenszeit. Doch was passiert denn da eigentlich genau und was können Sportler dagegen tun?

Allergie
Durch das relativ kalte Wetter haben viele Pflanzen ihre Blühperiode nach hinten verschoben und blühen jetzt mit Anbruch höherer Temperaturen mit voller Kraft. Hat der Regen die Pollen in den letzten sechs Wochen noch alle auf den Boden gewaschen, fliegen die kleinen Plagegeister jetzt in unvorstellbaren Massen durch die Luft und werden auf unsere Nasenschleimhaut und in geringerem Maße auch in die Lunge transportiert. Die Pollen werden durch ein „normales“ Immunsystem normalerweise „links liegen gelassen“. Nur hat das Immunsystem diese Pollen bei allergischen Patienten als Feind klassifiziert. Damit setzt es eine Immunreaktion in Gang, die zunächst ein Niesen bewirkt – der Körper des Allergikers versucht die Pollen so wieder zu entfernen. Sogenannte Mastzellen werden durch Antikörper aktiviert (die Antikörper binden an die Pollenbestandteile) und setzen den Entzündungswirkstoff Histamin frei – es folgt eine tränende Nase und tränende Augen.

Allergisches Asthma
Die Pollen gelangen auch in die Lunge und setzten hier die gleichen Entzündungsvorgänge in Gang wie in der Nasenschleimhaut. Es kann ein allergisches Asthma mit Kurzatmigkeit, Atemnot und Hustenanfällen ausgelöst werden. So wird aus der Allergie gegen Blütenpollen ein gesundheitliches Leiden.

Therapie
Gegen leichtere Symptome (Niesen, tränende Nase und Augen) helfen Medikamente – genauer die Antihistaminika – bei den meisten Patienten sehr gut. Vor Einnahme sollte aber auf jeden Fall ein Arzt mit Zusatzbezeichnung „Allergologie“ aufgesucht werden. Bei Asthmatikern sollte ein Lungenfacharzt aufgesucht werden und das Leiden fachärztlich behandelt werden.

Sport
Allergiker, die Sport treiben, sollten deshalb in den nächsten Wochen einen Gang runter schalten. Durch körperliche Aktivität kommt es natürlicherweise durch die vermehrte Atemarbeit während des Sports (besonders bei ausbelastenden Aktivitäten im Schwellenbereich, anaerobem Training oder Wettkämpfen) zu einer vermehrten Pollenaufnahme und dadurch zu einer verstärkten Entzündungsreaktion. Durch die  gesteigerte Atemarbeit kann ein allergisches Asthma verschlimmert und ein Asthmaanfall ausgelöst werden. Darum gilt: Mäßigung in der sportlichen Aktivität. Wettkämpfe mit Maximalbelastungen sollten vermieden werden. In der Pollensaison sollte man daher Grundlagentraining favorisieren. Die Trainingsfrequenz sollte ebenfalls reduziert werden. Eine Alternative bieten aktuell Hallensportarten. Hier ist die Pollenkonzentration (in Zentren mit Klimaanlagen, Fenster müssen geschlossen sein) niedriger und die Beschwerden geringer.

Das Gute zum Schuss: Die Pollensaison ist auch bald wieder vorbei.

Martin Orban


6 Reaktionen zu „Sport bei Heuschnupfen, Allergie und allergischem Asthma“

  1. MTBTier

    sehr interessanter Beitrag. Als Heuschnupfer fällt mir allerdings auf, dass ich unter Last kaum Beschwerden habe.

  2. Martin Orban

    Danke für den Kommentar. In der Tat ist es für Menschen mit leichtem Heuschnupfen, sehr positiv Sport zu treiben. Wie geschildert, bessern sich Beschwerden unter Belastung, können aber nach sportlicher Aktivität durchaus verstärkt auftreten. Ein beträchtlicher Teil der Allergiker entwickelt jedoch ein allergisches Asthma. Wird dies nicht therapiert, können starke Beschwerden und ein akuter Asthmaanfall während sportlichen Höchstleistungen auftreten.

  3. Richard Friedel

    Hier meine Erfahrung mit Asthma und medizinischem technischem Trraining (MTT) und Yoga.

    Im Yoga wird die Brustatmung mit voller Power (Bhastrika) als Heilmethode für Asthma gepriesen (z. B Video bei http://www.youtube.com/watch?v=rMoqzvUAb5o&feature=related).

    Mit meinem stabilen aber bei Pollenflug manchmal in der Vergangenheit so lästigen Asthma mache ich fast konsequenterweise Ausdauertraining auf einem Crosstrainer bei Puls 130 30 Minuten lang mit Betonung der Brustatmung oder fast Schlüsselbeinatmung wie Ramdev im Video. Um die effektive, normale Brustatmung auf den Weg zu bringen, kann ich die Nasenspitze leicht mit Reflexwirkung zudrücken: Siehe “1. Einüben der Atemsteuerung in der vorderen Nase” in http://www.lrz.de/~s3e0101/webserver/webdata/ParowHDA.pdf, Seite 67. Das ist möglicherweise ein wesentlicher Punkt. Natürlich aber wird beim Training die Nase nicht angerührt.

    In anderen Worten: die normale kräftige Durchatmung scheint mit Geduld trainierbar zu sein. Die Vitalkapazität steigt. RF.

  4. Allergie Portal jucknix.de

    Hallo Martin, hallo Richard,

    sehr interessante Beiträge, hab ich gern gelesen! Ein paar weitere Tipps möchte ich auch noch beisteuern:

    - Abends oder Nachts lüften, da die meisten Pflanzen ihre Pollen tagsüber verbreiten
    - Brillen tragen statt Linsen: bessere Abwehr von Pollen, besser verträglich mit Augentropfen
    - Luftfilter (leider sehr teuer) können die Pollenbelastung in der Wohnung deutlich senken
    - Nasenduschen mit Salzlösungen können vorrübergehend eine echte Wohltat sein

    VG

    Peter

  5. Frederick

    Als ewig leidender Natursportler habe ich mich damit abgefunden in den Sommermonaten einen Gang runter zu schalten – aber bei den hohen Ozonwerten soll man ja sowieso halblang machen. Der momentane Sommer geht ja noch. Im Winter gehts umso besser;)

  6. Micha72

    Hi,

    auch ich muss sagen, dass mich mein Heuschnupfen beim Sport nur ein wenig einschränkt.

    Klar muss ich den einen oder anderen Abstrich machen… aber Sport kann ich trotzdem machen.

    Ein Artikel der das Ganze gut beschreibt und wie ich finde auch den Nagel auf den Kopf trifft ist:

    http://www.sportiversum.de/bericht/5031-laufen-mit-heuschnupfen-so-geht-es-richtig

    Vielleicht bringt der ja Euch auch was.

    Grüße an alle Geplackten!

    Micha

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