Der frubiase® SPORT blog

2. August 2010
von Tobias Sauter

Mein Laufweg

Hallo zusammen, ich sitze in Kienbaum, noch vier Leute sind übrig die abgeholt werden müssen, um nach Barcelona zur EM zu gelangen. Die Anspannung steigt so langsam an, wir wollen los!
Wenn ich jetzt noch mal meinen “Laufweg” Revue passieren lasse, ist es wie ein Traum für mich, hier dabei zu sein, ohne dass dies das Ende meines “Lauftraumes“ sein soll.
Zum Laufen bin ich eher durch Zufall gekommen, im Tennis war ich voller Ehrgeiz aber irgendwie hat mich das zu aggressiv gemacht, wenn ich verloren habe. Mit Leichtathletik hatte ich nichts am Hut. Ein Freund hat mich dann, ich glaube es war 1998, zu einem 5 km Silvesterlauf mitgenommen. Zu dieser Zeit war ich eher ein kleines Dickerchen als ein sportlicher Junge. Naja, vollkommen abgekämpft und mit Gehpausen kam ich dann irgendwann mal ins Ziel. Komischerweise hatte mich aber der Ehrgeiz gepackt.
Mein Ziel war klar, ich will einen Marathon zu laufen. Da ich zu jung war, lies mich niemand starten, bis ich 2001 meinen ersten Marathon in Frankfurt locker in 3:16 lief, trainiert nach Plänen aus Laufzeitschriften. 2002 kam 2:52. Dann bekam ich Pläne von Peter Greif. Weiter ging es 2003 mit 2:46, 2004 mit 2:39 und 2:34. 2005 verletzt, 2006 2:26, 2007 2:25 und Deutscher Vizemeister in Mainz, danach ging ich zum Studieren nach Huntington INDIANA. 2008 flog ich einen Tag vor dem Wettkampf von dort aus direkt zu der DM in Mainz und konnte 2:22 und Platz 3 erreichen. Da sagte ich mir: Ich kann es schaffen und einmal bei einem Großereignis dabei sein.
In Essen siegte ich dann 2008 in 2:18. Daraufhin stand mein Ziel fest für 2009: unter 2:18 im Frühjahr zu laufen und mich für die Mannschaft anzubieten, die zur WM im eigenen Land antreten darf.

Ich bekam die Möglichkeit unter Waldemar Cierpinski zu trainieren und sah dies als große Möglichkeit, unter seiner Anleitung und mit einer Trainingsgruppe um Falk und Martin Beckmann mich weiter zu entwickeln. Ab da begann ein systematisches Training, speziell abgestimmt. Natürlich ist das am Anfang was sehr Neues und Gewöhnungsbedürftiges: Profimäßig trainieren, zu leben wie ein richtiger Sportler und auch mal auf das Weggehen zu verzichten :) Aber im Frühjahr 2009 konnte ich mit einer Punktlandung in Düsseldorf 2:17:27 laufen und mich damit mit dem Team für die WM qualifizieren. Das war natürlich ein Traum.
Das Training für diesen Höhepunkt lief super, bis ich drei Wochen vor dem Start in einem Trainingswettkampf Schmerzen am hinteren Oberschenkel spürte. Das Training war daher nahezu gelaufen. Kernspin habe ich keinen gemacht, ich wollte unbedingt starten. Das Rennen war dann eine einzige Qual, bei Kilometer zwei gingen die Schmerzen los, aber was sollte ich machen? Auf der 10km Runde waren so viele tolle Zuschauer, bekannte Gesichter, die für mich gekommen waren. Ausstieg war für mich im Innersten keine Alternative. Ich startete für mein Land, meinen Traum. Ich wollte ins Ziel, egal um welchen Preis. Es war schwer das zu verkraften – in Bestform nichts zeigen zu können. Die Diagnose danach war eine abgerissene Sehne und ein Bandscheibenvorfall. Drei Monate war an Sport nicht zu denken. Im Dezember konnte ich wieder einsteigen, von da an lief es gut – in Intervallen von fünf Wochen und immer wieder kleinen Erkältungspausen.

Aber vielleicht ist das ja auch ein gutes Omen, wenn es diesmal nur 99% lief aber dafür 100% beim Höhepunkt :) Dazwischen bin ich auch mal als Sebamed-Flasche gelaufen, die ich zuvor beim Berlin Marathon gesehen hatte. Ich dachte, wow das sieht cool aus, da könnte ich vielleicht mal einen langen Lauf machen und ein paar Euro verdienen. So kam es dann auch. Ich denke, ich bin drei oder vier Mal in der Flasche Marathon gelaufen. Der schnellste war in 3:01, als ich in Frankfurt einer Freundin zu unter 3:00 verhelfen wollte. Dummerweise war es an diesem Tag extrem windig – es war grauenhaft. Mit einer Platzwunde durch die Reibungen und Schläge kam ich ins Ziel. Seither trage ich lieber das Logo auf meinem Trikot :) .

Es lohnt sich also, seine Träume manchmal zu verfolgen!
Schade ist, dass unser Teamkollege Falk Cierpinski leider nicht starten kann, auch wenn das jetzt für Ihn enttäuschend ist, bin ich sicher, dass er bald mit Bestzeit zurückkehren wird. Kopf hoch und weiter :)

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