Am vorletzten Samstag, war der KOBOLT (Koblenz–Bonn; Lauf + Trail). Es wird der Rheinsteig gelaufen; einer der schönsten Fernwanderwege. Der Lauf wird durch verschiedene Firmen unterstützt, unter anderem auch von Raidlight. So das nicht nur die Einladung der Chamonix WG um Andreas Spiekermnann den Ausschlag gegeben hat, dort endlich mal zu starten. Ich starte auf der 140km Distanz, was gleichzeitig mein letzter Ü100km Lauf für 2011 sein wird.
Es gibt zwei Distanzen zur Auswahl 101km oder 140km mit 4460 Höhenmetern. „Die Höhenmeter werden einzeln eingesammelt!“ (Zitat von der Veranstalterseite). Das sollte sich Bewahrheiten, in mehr als einer Hinsicht. Also reise ich eine Woche nach dem KILL50 nach Bonn, um nach einer Nacht bei Tom Eller am nächsten Morgen von Bonn nach Koblenz gefahren zu werden. Das ist ein Service des Veranstalters, so läuft man auf sein Ziel zu. Zumindest theoretisch, denn der Weg ist zwar gut ausgeschildert. ABER irgendwie auch doch nicht! 
Am Start müssen wir leider mit dem Briefing noch etwas warten und so stehen wir frierend bis zum Start draußen. Dann wird uns noch mal die Wegmarkierung und die Position der VP`s. Ich friere sehr und ziehe meine Fleecejacke über dem Trail-Shirt an, dann wird’s langsam wärmer. Es kommt der Start und wir 24 Läufer starten auf die Strecke. Es dauert glatte 25m dann sind wir alle verkehrt. Das ist nicht die Richtung nach Koblenz sondern genau die entgegengesetzte Richtung. Na gut, das ist schnell korrigiert und im gewohnt zügigem Tempo geht es auf die ersten Trails. Die Orientierung ist noch einfach, aber die ersten Läufer laufen schon ein paar Meter extra. Mein Körper sträubt sich leider gegen das Laufen und ich friere und komme nur schwer in Gang.
Kurz vor der ersten VP überlege ich, ob nicht ein DNF pro Jahr okay ist. Andreas schaut mich beim verpflegen skeptisch an. Ich sage ihm, das läge am KILL50, würde aber wohl gehen. Nachdem ich alles Warme anhabe und eine Suppe und viel Schoki esse, laufe ich wieder an. Nach ein paar Metern geht’s wieder… Mein Körper hat’s begriffen: Keine Chance der Typ hört nicht auf. Ich komme in meinen Rhythmus muss aber feststellen, dass ich das Ding alleine laufen muss.
Denn ich kann mich heute einfach nicht auf andere einstellen.
Ich hole immer wieder ein paar Läufer ein und lasse mich dann an Bergen wieder zurückfallen. In dem Ort Sayn finde ich es so schön, dass ich ihn mir durch einen Verlaufer noch mal genauer anschaue. Kurz bevor ich aufgrund der Dunkelheit nichts mehr sehen kann, halte ich an und hole die Stirnlampe raus. Beim Einschalten passiert nichts! Sie hat wohl einen Wackelkontakt! Das auf einem Lauf, wo gerade die Orientierung eine echte Herausforderung ist, selbst im Hellen. Ich bekomme sie aber wieder hin. Jetzt nur nicht anfassen, damit sie anbleibt.
Zu diesem Zeitpunkt stelle ich fest, dass ich schon gar nicht mehr auf der Strecke bin. Das macht schon mal die ersten zwei zusätzlichen Kilometer – was soll`s ist egal.
Ich hole zwei andere Läufer ein, von denen ich eigentlich dachte, dass ich sie bereits überholt hatte. Da diese nur Walken können, laufe ich wieder vorraus. Im nächsten Ort passiert mir wieder ein Orientierungsfehler: Ich laufe rechts auf der Straße raus aus dem Ort. Gleiche Spiel: Es kommen keine Schilder mehr, also laufe ich zurück. Das macht etwas vier Kilometer extra. Jetzt sehe ich wieder die anderen beiden Läufer. Wir lachen und sind uns einig: eigentlich laufen wir zusammen. Dann ein paar Kilometer weiter kommt eine Kuhweide. Das Schild sagt nach rechts, Spuren im Gras kann ich nicht sehen. So laufe ich so weit über die Wiese kreuz und quer bis die Kühe Autogramme wollen.
So ist das halt wenn man ohne GPS und Karte läuft. An der nächsten VP sitzen wir wieder alle zusammen und essen Suppe. Der Helfer sagt mir, dass ich schnell wäre, trotz Verlaufer. Ich habe fünf Stunden allein für die letzten 25 Kilometer gebraucht. Na der hat Humor! Okay aber weiter geht’s. Es geht durch Weinberge und über tolle Trails, durch Ortschaften und plötzlich stehe ich etwas dehydriert vor dem dritten VP. Meine Vorräte sind schon seit über einer halben Stunde leer. Ich verpflege mich und werde betüddelt. Einfach toll die Helfer und das Angebot an Essen ebenfalls. Weil es im Wind kalt wird, laufe ich weiter. 15 Kilometer später dimmt sich meine Stirnlampe das erste Mal. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Batterien bald leer sind, eigentlich zwei Nächte zu früh. Die Wechselbatterien sind im Dropbag. Dieser liegt aber 15 Kilometer hinter mir. Aber ich habe noch die Möglichkeit das Handy zu nehmen und eine Taschenlampen-App herunterzuladen. Also Vollgas geben ich Vollgas um die Distanz zum nächsten VP zu verringern.
Zum Glück laufe ich auf Michael Esser und seine Laufpartner auf und sie leihen mir ihre zweite Stirnlampe. Toll, jetzt kann ich wieder schneller laufen. Ich komme weiterhin gut voran und die Trails machen einfach super Spaß. Am VP 4 angekommen, mache ich länger Pause und es beginnt zu dämmern. Jetzt geht’s auf die letzte Etappe. Rauf zum Drachenfels, einmal rum und dann zurück nach Bonn. Zumindest sollte es so sein. Stattdessen stehe ich aber auf dem Drachenfels und finde mal wieder den Weg nicht. Aber auch egal, wenn ich schon oben bin, dann mache ich gleich ein paar Fotos und stelle sie online. Die Sonne geht auf und inklusive ein Verlaufer komme ich gut voran. Frühstück gibt es unter dem Petersberg auf einer Parkbank. So komme ich dann doch noch unter 24 Stunden mit geschätzten 160km ins Ziel. Ich habe nur selten soviel Spaß gehabt auf einem Lauf… eine so tolle Strecke!
Hab auch gefragt, ob ich wieder zurücklaufen darf und mich jemand dann wieder aus Koblenz abholt. Wollte aber keiner!
Denn Lauf kann ich nur empfehlen… aber Vorsicht am Rhein ist es nicht flach! Und Trails gibt’s da… der Hammer!
Ich denke ich schreib sicher noch einen zweiten Bericht:-) Denn es fehlt noch so viel! Zum Beispiel, dass Michael Esser von einem Reh angegriffen wurde…