Der frubiase® SPORT blog

1. Dezember 2011
von frubiaseSPORT

frubiase SPORT Adventskalender

Und schon ist es wieder soweit: Das Jahr ist wie im Flug vergangen und jetzt startet der Weihnachts-Countdown.

Damit das Warten bis Weihnachten nicht zu lang wird, haben wir in diesem Jahr einen frubiase® SPORT Adventskalender für Euch gebastelt. Unter www.facebook.com/frubiaseSPORT warten ab dem 1. Dezember täglich Trainingstipps und sportliche Gewinne von Polar, Asics und den Allgäu Bikers auf Euch.

Wir wünschen allen Bloggern und allen Lesern viel Spaß beim Türchen öffnen und eine schöne Adventszeit! 

Euer frubiase® SPORT Team

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30. November 2011
von Thomas Ehmke

Der Kein Idyllischer Landschaftlauf 50 (80 Kilometer)

Vorletzten Samstag war es wieder soweit: Es saßen 45 Teilnehmer eines Trail-Ultralaufes in einer kleinen Grillhütte oberhalb der Stadt Hildesheim und ließen sich von dem Veranstalter Michael Neumann und Susanne Holz, Angst vor Wildschweinen machen. Es war also mal wieder Zeit für den KILL 50, 50 Landmeilen also 80 Kilometer über die Trails des Hildesheimer Waldes, des Leineberglandes inklusive der Siebenberg und dem Tosmarkammweges. Ich bin schon das dritte Mal dabei und viele andere sind auch schon öfter auf der Strecke gewesen. Aber es gibt auch viele Frischlinge, die nervös an den Lippen von Michael Neumann hängen. Es ist ja auch außergewöhnlich Anfang November abends um 18 Uhr gestartet zu werden. Nur auf Trails mit der Orientierung nach Karten, GPS oder Reflektoren, die nur noch vereinzelt in den Wäldern die Strecke markieren. Und als ob das alles nicht schon genug Schwierigkeiten ergeben würde, hat die Strecke auch noch 2200 Höhenmeter und Etappen von 25km, 25km und 30km. Es gibt nur zwei Verpflegungspunkte auf der Strecke und Streckenteile wo die Evakuierung eines Teilnehmers fast unmöglich ist. Nun, wer wenig Erfahrung mit einer solchen Herausforderung hat, den kann das nervös machen.

So auch ein guter Freund von mir, Michael Hartmann, dieser musste im Vorjahr nach einem Sturz bei Kilometer 50, verletztungsbedingt aussteigen. Dieses Mal ist der Plan, den KILL50 zu schaffen. Dafür hatte er sich vorgenommen mit mir zu laufen. Sicher für mich auch eine Herausforderung, weil Michael einen Marathon in nur etwas als 3 Stunden läuft. Also ist seine Grundgeschwindigkeit sehr viel höher als meine. Das wird mir ungewohnt viel Speed verleihen. So stehen wir am Start und machen noch lustig Späße bevor Michael Neumann sagt: „Auf meiner Uhr ist es 18 Uhr. Was steht ihr hier noch rum?“ Dann geht’s los in die Nacht!

Nach etwa einem Kilometer, genauer am ersten Anstieg, stellen wir alle fest, dass wir zu warm angezogen sind. Meine Winterbekleidung mit der zusätzlichen Warm & Wind Weste ist einfach zu war für 6`°C Außentemperatur. Also entscheide ich mich am Hildesheimer Aussichtsturm sie den Zuschauern zu geben, die sie mit zum Verpflegungspunkt nehmen.

Wir laufen in einem Pulk von ungefähr sechs Läufern. Nachdem sich ein paar Läufer vor uns schon verlaufen haben und ich ihnen gesagt habe wo es lang geht, läuft kaum noch jemand vor mir. Leider muss ich durch meinen Magen bedingt mehrfach in die Büsche schlagen. Das Intervall- Laufen, um die anderen danach wieder einzuholen, zehrt ein wenig an meinen Kräften. Aber die ersten 25km sind nach 2 Stunden und 35min geschafft und uns geht’s allen gut.  Also ab auf die zweite Runde, 25 Kilometer mit 1000 Höhenmetern; meine schnellste Zeit auf diesem Stück im Wettkampf: drei Stunden zwanzig Minuten. Meinem Körper macht der schnelle Verlust der Nährstoffe und der Nahrung zu schaffen so dass ich mit Schwindel zu kämpfen habe. Ich sage Michael, dass er ohne mich weiterlaufen soll, er aber will nicht und bleibt bei mir. So kommen wir dann aber doch nach 3 Stunden und 10 Minuten von der Runde und mein Körper erholt sich langsam. Ich kann wieder flüssig laufen. Wir holen, jetzt in einer 4er-Gruppe, andere Läufer ein die sich verschätzt haben. Denn auf der letzten Runde bis zum Ziel sind die technisch schwierigsten Stücke gepaart mit ordentlich Höhenmetern. Michael und mir geht es aber gut.

 Danach laufen wir wie gewohnt den Trail, wobei es bei mir richtig gut läuft aber bei Michael die Krise kommt. Jeder Läufer hat sie an einer anderen Stelle.

In Dickholzen angekommen, trinken wir noch was und dann geht es weiter nach Hildesheim auf den Steinberg. Der 4er-Trupp ist der KILL schon anzumerken, selbst auf leicht ansteigenden Stücken wird nur noch zögerlich angelaufen. Ich mache das auch nicht mehr,  denn die Zeit in der wir unterwegs sind, ist okay und ich will ja nächstes Wochenende auch noch laufen können.So kommen wir nachher zu fünft ins Ziel mit einer Zeit von 10 Stunden und 7 Minuten. Alle auf Platz 6 :-) Alle auch froh es geschafft zu haben und nach Essen, Bier und Dusche geht es endlich zum schlafen. Ach ja ich hab die ganze Zeit versucht, die anderen zu einem Run2KILL (zwei Runden) zu überreden aber so ganz sicher war sich keiner.

Im nächsten Bericht werde ich vom KOBOLT, Köln – Bonn, 140km Trail auf dem Rheinsteig, berichten.

 

Bis dann

Thomas

 

 

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23. November 2011
von Matt Root

Hallo Sportsfreunde,

so langsam fängt es an: Es wird immer kälter, früher dunkel und der eigene Wille kleiner.

Jetzt beginnt der Kampf mit dem inneren Schweinehund!

Vor ein paar Wochen erst, wurde unsere kleine Vereinsmeisterschaft im Cross Country ausgetragen.

Ich hatte trotz des schlechten Wetters und des halb Wachseins wegen einer kleinen Erkältung ein gutes Gefühl. So fuhr ich die 25 Kilometer zum warm machen hin. Allerdings waren ein paar starke Jungs aus dem Verein auch dort. Der Start kam und ich fuhr los. Die Aufgabe war es jetzt 30 Minuten Durchpowern was das Zeug hält. Gesagt getan –  ich habe es geschafft und fast sogar den 2. Platz noch eingeholt! Wenn das mal keine guten Vorraussetzung sind.

Ich denke, dass ich es in diesem Winter schaffen kann gegen meinen inneren Schweinehund anzukämpfen und ich denke, dass ihr das auch alle könnt!

Vor einigen Monaten bin ich nach Karlsruhe gezogen und besitze ein Rennrad.

Es ist sehr genial hier unten. Man setzt sich aufs Radl und fährt einfach immer Richtung Süden. Unzählige Straßen, tolle Aussichten und keine nervenden Autofahrer!

Derzeit ist es bei mir noch nicht ganz so dolle mit den Trainingsvorbereitungen, daher fällt dieser Bericht auch etwas kleiner aus. Jedoch wird in den nächsten Wochen wieder mehr los sein! Ein paar Touren mit den Radläden in der Heimat und dann werde ich wieder was zu erzählen haben.

greaz Matt

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4. November 2011
von Hauke König

running TRANSGERMANY Teil 5 – Henstedt-Sylt

Ich bin auf dem Weg nach Nortorf. Das liegt mitten in Schleswig Holstein und nur ein paar Kilometer von Neumünster entfernt. Und weil Björn Richter seit neustem dort wohnt, kommt er mich nach der Arbeit besuchen und läuft die letzten Kilometer dieses Tages mit mir. Er hat Sonne mitgebracht und so wird aus einem total verregneten Tag doch noch ein schöner Tag mit Sonnenschein und guten Gesprächen. Der Campingplatz hier ist sehr überschaubar und wir sind die einzigen Gäste. Weshalb nur?  Es wird jetzt abends, wenn die Sonne untergeht, immer sehr frisch. Noch vor ein paar Tagen, in Süddeutschland konnte ich schlecht einschlafen, weil es so heiß im Wohnmobil war. Jetzt ist zum Schlafen was Langärmeliges angesagt :-(

Es sind jetzt noch 2 ½ Etappen bis zur Nordspitze Sylts. Heute kommt ein alter Bekannter mit seinen Kollegen vorbei. Es ist Lornz. Er ist Redakteur beim NDR und hat mich bei meiner Schleswig Holstein Umrundung im Januar diesen Jahres bereits drei Tage lang begleitet. Sie finden mich irgendwo vor Rendsburg und filmen fleißig. Allerdings nicht sehr lange. Ein Anruf vom Chef: „Der Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostseekanal ist zum erliegen gekommen!“ Und schon müssen sie wieder weg. Allerdings nicht ohne noch auf einen Kaffee bei Susanne und mir zu bleiben. Nach Sylt kann Lornz leider auch nicht kommen, weil er am Sonntag in Kiel bei einem 10,4 Km Lauf teilnimmt und sich viel vorgenommen hat. Echt schade. Aber: Lornz, wir sehen uns! Ich bin aus Solidarität an diesem Tag übrigens noch die 10,4 Kilometer in der Zeit, die Lornz sich vorgenommen hat gelaufen und habe eigens dafür meine eigentliche Strecke noch mal verlängert.

Ich bin jetzt tatsächlich in Schleswig. Haitabu! Eine alte Wikingersiedlung. Sehr schöner Platz an der Schlei und Restaurantbesuch. Susanne ist schon mal vorgegangen und als ich den Laden betrat, kam sofort eine Kellnerin auf mich zu. „Was wünschen sie? Kann ich helfen?“ Das sagt mir zweierlei: Ich passe hier nicht rein und wirke unbeholfen. Tja, wo sie Recht hat… Ich versuche zu sagen, dass ich Susanne suche, aber finde nicht die passenden Worte. Susanne kennt die Kellnerin ja schließlich nicht. Also entgleitet mir ein „ Ähh ja, ich suche hier meine Betreuerin…“ Und ich weiß sofort, dass das ein saublöder Satz war. Die Blicke der Restaurantfachfrau sagen alles. Der Mund wird schmal, der Kopf geht mit einer wissenden Geste nach oben und die Augen verengen sich. „Okay, dann schauen sie am besten mal selbst.“ War die Antwort. Fast wundere ich mich, von ihr jetzt nicht geduzt worden zu sein. Aber das Essen war echt super! Und es war eine sehr schöne Situation mit Susanne. Wir waren oft gestresst in den letzten Tagen und Wochen, aber hier ist alles lecker, lustig und gut. Auch ohne Dusche.

Im Morgengrauen steht da am Eingang zum Campingplatz einer. In Laufklamotten. Und ich bin es zwar auch, aber nicht nur. Pünktlich um 7:30 Uhr ist Jürgen Clausen da. Der ist nämlich ein Arbeitskollege von Björn Richter und weil es bei den beiden zu einem Austausch kam (hihi) ist Jürgen heute die ersten…ich glaube so 23-24 Kilometer mit gelaufen. Und er kennt sich hier echt aus! Endlich mal wieder fern ab von Straßen durch Wälder, Wiesen und Felder. Sehr gut! Als er mich verlässt, bin ich echt ein wenig geknickt. Für mich heißt es jetzt wieder irgendwie nach Niebüll finden.

Die letzten Kilometer dahin sind grausam. Entlang einer viel befahrenen Bundesstraße auf einem durch eine weiße Linie abgetrennten Radweg in den Gegenverkehr laufen. Ich liebe es! Jetzt zu erklären, weshalb Susanne mich bereits fünf Kilometer vor Niebüll abholt und im Affenzahn in die Stadt fährt würde diesen Rahmen etwas sprengen. Nur kurz: Es hatte mit einer Dusche, den Öffnungszeiten des hiesigen Hallenbades und unserem Plan für den Abend zu tun. Wir sind nämlich eingeladen. Im 43 Kilometer entfernten Flensburg. Hier eröffnet nämlich Frauke Kusch zusammen mit einer Freundin eine Kunstgalerie in der Altstadt. Und weil wir uns kennen, dürfen Susanne und ich dahin und Kunst gucken, Prosecco trinken, Quiche essen und sehr nette Gespräche führen. Sehr schöner Abend!  Wir gondeln wieder nach Niebüll zurück und suchen uns einen Schlafplatz in der Nähe des Verladebahnhofes für Autos, für den Zug nach Westerland.

Jana ist am nächsten Morgen da. Endlich! Sie hatte die gesamte Zeit von München aus für uns alles organisiert, was nötig war. Und mehr. Auch Jeanette Biegner, ihres Zeichens Produktmanagerin von frubiase SPORT stößt in Westerland zu uns. Philipp Kafsack, ein NDR Redakteur, der uns bereits durch Hamburg begleitet hat, ist auch wieder am Start. Was ich jetzt noch nicht weiß: Er wird einen sehr coolen Beitrag machen.

Das Wetter ist genau richtig und ich fege los, dem ersehnten Ziel entgegen. Es ist echt schön auf Sylt und es wird immer besser, je nördlicher ich komme. Die letzten paar Kilometer gibt Susanne das Wohnmobil an Jana weiter und läuft mit mir ins Ziel. Die Nordspitze von Sylt. Endlich da. Aber ich kann mich nicht richtig freuen. Alles hört jetzt auf. Dieser Monat, den ich jeden Tag mit Laufen verbringen durfte. All die Menschen, denen ich begegnet bin. Wie mach ich weiter? Es fühlt sich unnatürlich und abstrakt an, in mein anderes Leben zurückkehren zu müssen. Warum nicht einfach weiter? Durch Europa, durch die Welt. Ich habe noch gar nicht abgeschlossen mit diesem Lauf. Ich fühle mich wie rausgerissen. Abschied halt. Abschied von einer so intensiven Zeit. Schade. Ich wäre gerne weiter gelaufen. Ich versuche irgendwie in diese Situation zu finden. So, dass es sich gut für mich anfühlt. Es ist echt schwer. Mir ist nicht wirklich klar, dass das ja eigentlich schon ne reichlich coole Nummer ist, die wir das gebracht haben. Und mit ´wir` meine ich alle, die beteiligt waren am Erfolg dieses Projektes und ohne die ich das nie im Leben hätte machen können, wie da wären:

Birger Jüchter: Du hast mich eine Woche (oder so) während deines Urlaubes begleitet und warst immer da, wenn ich dich brauchte und hast mich durch meine Verletzung begleitet. Du bist großartig und für mich zu einem guten Freund geworden! Danke für die Zeit mit dir.

Steffen und Melanie Kohler: Gastfreundschaft müsste euren Namen tragen! Und leckeres Essen auch. Ihr seid die Derbsten! (das sagt man hier so, wenn man jemanden oder mehrere sehr gut findet).

Jens und Julia Vieler: Ohne Gleichen. Julia du hast mich geheilt, Jens, du hast ihr die Gründe dafür geliefert ;-)

Torsten Riemer: Du hast dir mal eben den Hintern für uns aufgerissen, unsere Wäsche abgeholt, gewaschen zurückgebracht, Strecken rausgesucht und uns mit Karten versorgt und es geschafft auf dem Weg zum UTMB noch ein Stück mit mir zu laufen. Unglaublich. Und es hat mir soooo gut getan dich zu sehen.

Alle Läuferinnen und Läufer die mich ins Ziel getragen haben, mich von Schmerzen abgelenkt haben, für gute Anregungen und Strecken und unglaublich gute Gespräche  gesorgt haben und einfach Lust hatten, ein Teil dieses Laufes zu sein. Mein Respekt für euch und eure Tat ist grenzenlos. Echt jetzt.

Sehr speziell: Meine Wuppertal-Dortmund Crew. Guiseppe, Jens, Michele, Philip, Max. Jederzeit wieder. Auch abends. Und morgens auch. Und mittags. Und bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit.

Juliane und Jana: Ich möchte eigentlich gar nicht so genau wissen, wie viel Arbeit ich euch beschert habe. Sicherlich a lot! Wir haben geplant, Pläne verworfen, neu geplant und es letztlich ganz gut gefinisht, oder? Aber Jana, du hättest mich wirklich öfter anrufen können  ;-)

Ihr habt mit Susanne zusammen dafür gesorgt, dass ich nix anderes machen musste, als zu laufen. Wie geil!

Susanne Alexi:  Du musstest mich vier Wochen lang ertragen. Rund um die Uhr. Du Arme! Und hast zeitgleich telefoniert, für mich gesorgt, SMS versendet, Radio gehört, gekocht, eingekauft, aufs Navi geachtet, das Internet aktualisiert, meine Beine massiert und das Auto gefahren. Beim Essen. Das macht dir niemand nach! Und du bist wahnsinnig genug so etwas noch mal mit mir zu machen. Ich nehme dich beim Wort. Aber dann vielleicht nicht mit meinem Auto ;-)

Danke an frubiase SPORT für eure Coolness und euer Vertrauen. Ihr ermöglicht mir meine Träume zu leben! Mehr geht nicht.

Danke an Polar und Falke für extrem cool Gear!

Und natürlich vielen Dank an mein Team vom Haus Ginkgo, dass ihr mir einfach mal so vier Wochen frei gegeben habt. Ich weiß, es war eine schwierige Zeit für euch. Aber seht es doch mal so: Ihr wart mich vier Wochen los!

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26. Oktober 2011
von Hauke König

running Transgermany Teil 4 – Norddeutschland

Am nächsten Morgen geht es von Porta aus in Richtung Minden. Es ist sonnig und verspricht wieder einmal ein schöner Tag zu werden. Es ist mittlerweile der soundsovielte Tag, den ich laufe. Vielleicht auch mehr. Heute ist auf jeden Fall ein besonderer Tag, denn heute verlässt mich Susanne um nach Köln zu fahren und dort ein laufbetreuerisches Versprechen beim Kölnpfadlauf einzulösen. An ihre Stelle treten meine Mutter und mein Sohn Jan. Jan hatte bereits vor zwei Jahren das Versorgungsfahrzeug gefahren, als ich nonstop 300 Kilometer die Weser entlang gelaufen bin. Damals ist er in Minden dazu gestoßen und hat mich bis ins Ziel nach Bremen begleitet. Auf genau dieser Strecke begleitet er mich nun noch einmal. Allerdings unter anderen Voraussetzungen. Ich habe nicht vor jetzt nonstop bis nach Bremen durchzuziehen. Ich werde heute nach Nienburg eumeln und dort suchen wir uns einen lauschigen Platz zum Übernachten. Finden wir auch. Es ist ein Campingplatz mit Dauercampern, Buchsbaumhecken, Gartenzwergen und Rasen, den die Betreiber ganz bestimmt heimlich nachts von einem Golfplatz in Florida mitgenommen haben. Es ist schrecklich spießig und furchtbar clean. Das hat aber auch Vorteile. In den Waschräumen kann man vom Boden essen. Garantiert keimfrei ist das alles. Aber im Gegensatz zu so manch anderem Campingetablissement in dem wir eine Nacht verbrachten, musste ich mich hier nicht ekeln. Naja, oder anders ekeln, halt. Und nach dem Bewohnen von Punk-Rock WG´s und besetzten Häusern bin ich was Hygienestandarts angeht hart im nehmen, das könnt ihr mir glauben.

Nächster Morgen. Nienburg und sehr schöner Sonnenaufgang. Ich habe es tatsächlich mal geschafft vor der Sonne aufzustehen. Alleine das gibt mir Schwung für den Tag und ich renne Verden entgegen. Da bin ich nicht nur geboren, aufgewachsen und sozialisiert, sondern da treffe ich auch auf meine Tochter. Drei Wochen habe ich sie nicht mehr gesehen und ich fliege ihr entgegen. Und tatsächlich wartet da in Verden ein ganzer Schwung von Freunden und Verwandten auf mich. Wir machen etwa zwei Stunden Pause, in denen ich mich intensiv mit meiner Tochter beschäftige. Dann heißt es wieder Abschied nehmen. Aber diesmal nur für ein paar Tage. Zum Glück! Ich laufe weiter die Weser entlang nach Achim (so heißt die Stadt). Dort angekommen, warten nicht nur Jan und meine Mutter, sondern auch die aus dem Rheinland wiedergekehrte Susanne auf mich. Susanne begleitet mich bis nach Bremen und wir tauschen die Neuigkeiten aus. Allerdings muss ich oft Gehpausen einschieben, weil ich von Nienburg bis Achim in einem Affenzahn unterwegs war. Das tut mir für Susanne leid, die echt Bock auf Laufen hat. Sorry. In Bremen verabschieden sich Jan und meine Mutter wieder von uns. Die haben das erstklassig gemacht und ich möchte mich an dieser Stelle noch mal ganz, ganz herzlich bei ihnen bedanken.

Susanne und ich fahren erst mal ins Viertel. Das ist ein Ortsteil von Bremen, wo man gut mal ein Rollo essen kann. Rollo ist kein Ortsteil von Bremen. Danach geht es zum morgigen Startplatz, einer Straße in Richtung Rotenburg/Wümme. Wir finden einen Parkplatz unweit der Straße und umgeben von großen Eichen. Von hier laufe ich am nächsten Morgen total unspektakulär auf einem Radweg neben einer Kreistrasse an Wäldern und Feldern vorbei nach Rotenburg. Dort am Weichelsee angekommen, hatte ich etwas über 36 Kilometern auf dem Tacho. Geht ja eigentlich gaaar nicht, aber ich freue mich schon so auf die morgige Etappe und genieße einen beinahe freien Tag mit Beine hoch, Läppi an und Film gucken. Dann geht’s von Rotenburg bis kurz vor Hambuich. Yeah! Jeder andere Läufer wird diese Strecke, auf die ich mich freue, toootal doof finden. Bundesstraße. Allerdings mit Radweg und wieder durch Wälder, Wiesen und Felder. Ich freue mich so auf diesen Teil, weil ich hier schon hunderte Male mit Auto und Fahrrad lang gekachelt bin und mir jedes Mal gedacht habe: „Hier will ich mal lang laufen!“ Ich kenne die Strecke aus dem FF und fliege bis vor die Tore Hamburgs. Es ist so schön hier endlich mal zu laufen! Auch, weil ich die Strecke jetzt für mich abhaken kann ;-)

Schon wieder ein nächster Morgen. Manmanman, früh und kalt treffen wir auf einem etwas „komischen“ Wanderparkplatz mit Ausflugslokal auf gleich zwei liebe Bekannte. Bei vielen Läufern haben sie sich als Marvin Running und Herrchen einen Namen gemacht. Herrchen schreibt geniale Geschichten über das Laufen, aus der Sicht seines inneren Schweinehundes. Marvin. Die Strecke ist heftig. Hamburg-Harburg ist heftig. Zum Laufen auf jeden Fall. Und während wir durch Hafengebiete mit Schwerindustrieanlagen juckeln, unterhalten wir uns über Grenzen, Wüsten und Transzendenz. Wir trotzen unserer Laufstrecke geistig. Leider kommen wir heute nicht durch den alten Elbtunnel, weil sich da gerade Schlippsträger drinnen aufhalten, um deren letzten Ausbruch aus Niedersachsen zu feiern, oder sowas. Der ist nun etwa 200 Jahre her und so sehen die da drin auch aus. Wie auch immer. Wir dürfen da heute nicht mal mit Presseausweis, Sondergenehmigung und Bemühen des NDRs durch und laufen deshalb eine Schleife, bis zu einer der Hafenfähren, die sonst die Arbeiter zu den Docks von Blohm und Voss bringt. Uns bringt sie zu den Landungsbrücken. Leider verabschieden sich hier meine zwei Begleiter schon wieder und ich ziehe alleine durch die Ciddi an die Außenalster. Hier kommt Oliver Scheer, the Alsterman, zu Susanne und mir zum Frühstück. Wer sonst? Es folgen einige Interviews mit TV und Zeitungen und endlich können Oli und ich ungestört den Alsterwanderweg hochpflügen. Unser beider Revier. Wir laufen über die Strecke, die ich schon hunderte Male gelaufen bin an meinem ehemaligen Haus direkt an der Alster vorbei und treffen im Rodenbeker Quellental auf meine Schwester, Mitarbeiter und Bewohner unserer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. Von hier aus kommt Florian mit. Mein ehemaliger Zivi ;-) , der jetzt Auszubildender bei uns ist. Der hatte mir nämlich (unüberlegter Weise) im Vorfeld des Laufes gesagt: „Wenn du durch Duvenstedt läufst, komm ich ein Stück mit!“. Das hat er jetzt davon. Bei Regen, aber sehr schöner Strecke begeleitet er mich sechs Kilometer. Super Flo und Danke! Das war echt eine sehr coole Nummer von dir. Hätte ich echt nicht mit gerechnet. Aber was ein alter Pfadfinder ist…

Auch Oliver Scheer verabschiedet sich bald. Auch an dich vielen Dank. Naja, dann halt alleine nach Henstedt-Ulzburg. Ist aber nicht mehr weit. Es ist regnerisch und es wird immer kälter. OK, ab hier ist Schleswig Holstein. Ab hier ist Sylt echt nicht mehr weit.

Als ich am nächsten Morgen loslaufe, zeigt das Thermometer 12°C an. Und nach kurzer Zeit fängt es an zu schütten wie aus Eimern. Eimern, die mit echt kaltem Wasser gefüllt sind. Nix warmer Sommerregen. Scheißkalt und zum Verzweifeln, wenn, ja wenn ich nicht schon fast am Ziel wäre. Die 200-300 Kilometer, die jetzt noch folgen, mache ich blind, in Ketten, nackt in der Antarktis! Ich mache das hier. Ich will. Mir wird immer klarer, wie nahe ich einem Ziel bin, das bisher immer völlig abstrakt für mich war. Egal, was jetzt noch passiert; Ich schaffe das wahrscheinlich echt. Ein Gedanke übrigens, dem das Gefühl folgt alles investiert zu haben in dieses Gelingen. Alles, was ich physisch, seelisch und geistig aufgebracht habe, hat mich tatsächlich bis hierher gebracht. Es wird immer unwirklicher. Und immer sentimentaler. Ich beginne mich immer intensiver damit zu beschäftigen, was ich da „wirklich“ tue. Jetzt, wo das Laufen zu einem unanstrengendem Automatismus geworden ist. Worum geht es hier eigentlich? Geld? Anerkennung? Training? Grenzüberschreitung? Geht es um mich? Um alle, die beteiligt sind an dem Lauf? Wo bringt uns das hin? Was wir danach sein? Stille.
Schaut doch auch nächste Woche rein, wenn es wieder heißt: „Der Strand ist aber nicht zum Kopf reinstecken da, oder?“

Hauke

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