Ich bin auf dem Weg nach Nortorf. Das liegt mitten in Schleswig Holstein und nur ein paar Kilometer von Neumünster entfernt. Und weil Björn Richter seit neustem dort wohnt, kommt er mich nach der Arbeit besuchen und läuft die letzten Kilometer dieses Tages mit mir. Er hat Sonne mitgebracht und so wird aus einem total verregneten Tag doch noch ein schöner Tag mit Sonnenschein und guten Gesprächen. Der Campingplatz hier ist sehr überschaubar und wir sind die einzigen Gäste. Weshalb nur? Es wird jetzt abends, wenn die Sonne untergeht, immer sehr frisch. Noch vor ein paar Tagen, in Süddeutschland konnte ich schlecht einschlafen, weil es so heiß im Wohnmobil war. Jetzt ist zum Schlafen was Langärmeliges angesagt 
Es sind jetzt noch 2 ½ Etappen bis zur Nordspitze Sylts. Heute kommt ein alter Bekannter mit seinen Kollegen vorbei. Es ist Lornz. Er ist Redakteur beim NDR und hat mich bei meiner Schleswig Holstein Umrundung im Januar diesen Jahres bereits drei Tage lang begleitet. Sie finden mich irgendwo vor Rendsburg und filmen fleißig. Allerdings nicht sehr lange. Ein Anruf vom Chef: „Der Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostseekanal ist zum erliegen gekommen!“ Und schon müssen sie wieder weg. Allerdings nicht ohne noch auf einen Kaffee bei Susanne und mir zu bleiben. Nach Sylt kann Lornz leider auch nicht kommen, weil er am Sonntag in Kiel bei einem 10,4 Km Lauf teilnimmt und sich viel vorgenommen hat. Echt schade. Aber: Lornz, wir sehen uns! Ich bin aus Solidarität an diesem Tag übrigens noch die 10,4 Kilometer in der Zeit, die Lornz sich vorgenommen hat gelaufen und habe eigens dafür meine eigentliche Strecke noch mal verlängert.
Ich bin jetzt tatsächlich in Schleswig. Haitabu! Eine alte Wikingersiedlung. Sehr schöner Platz an der Schlei und Restaurantbesuch. Susanne ist schon mal vorgegangen und als ich den Laden betrat, kam sofort eine Kellnerin auf mich zu. „Was wünschen sie? Kann ich helfen?“ Das sagt mir zweierlei: Ich passe hier nicht rein und wirke unbeholfen. Tja, wo sie Recht hat… Ich versuche zu sagen, dass ich Susanne suche, aber finde nicht die passenden Worte. Susanne kennt die Kellnerin ja schließlich nicht. Also entgleitet mir ein „ Ähh ja, ich suche hier meine Betreuerin…“ Und ich weiß sofort, dass das ein saublöder Satz war. Die Blicke der Restaurantfachfrau sagen alles. Der Mund wird schmal, der Kopf geht mit einer wissenden Geste nach oben und die Augen verengen sich. „Okay, dann schauen sie am besten mal selbst.“ War die Antwort. Fast wundere ich mich, von ihr jetzt nicht geduzt worden zu sein. Aber das Essen war echt super! Und es war eine sehr schöne Situation mit Susanne. Wir waren oft gestresst in den letzten Tagen und Wochen, aber hier ist alles lecker, lustig und gut. Auch ohne Dusche.
Im Morgengrauen steht da am Eingang zum Campingplatz einer. In Laufklamotten. Und ich bin es zwar auch, aber nicht nur. Pünktlich um 7:30 Uhr ist Jürgen Clausen da. Der ist nämlich ein Arbeitskollege von Björn Richter und weil es bei den beiden zu einem Austausch kam (hihi) ist Jürgen heute die ersten…ich glaube so 23-24 Kilometer mit gelaufen. Und er kennt sich hier echt aus! Endlich mal wieder fern ab von Straßen durch Wälder, Wiesen und Felder. Sehr gut! Als er mich verlässt, bin ich echt ein wenig geknickt. Für mich heißt es jetzt wieder irgendwie nach Niebüll finden.
Die letzten Kilometer dahin sind grausam. Entlang einer viel befahrenen Bundesstraße auf einem durch eine weiße Linie abgetrennten Radweg in den Gegenverkehr laufen. Ich liebe es! Jetzt zu erklären, weshalb Susanne mich bereits fünf Kilometer vor Niebüll abholt und im Affenzahn in die Stadt fährt würde diesen Rahmen etwas sprengen. Nur kurz: Es hatte mit einer Dusche, den Öffnungszeiten des hiesigen Hallenbades und unserem Plan für den Abend zu tun. Wir sind nämlich eingeladen. Im 43 Kilometer entfernten Flensburg. Hier eröffnet nämlich Frauke Kusch zusammen mit einer Freundin eine Kunstgalerie in der Altstadt. Und weil wir uns kennen, dürfen Susanne und ich dahin und Kunst gucken, Prosecco trinken, Quiche essen und sehr nette Gespräche führen. Sehr schöner Abend! Wir gondeln wieder nach Niebüll zurück und suchen uns einen Schlafplatz in der Nähe des Verladebahnhofes für Autos, für den Zug nach Westerland.
Jana ist am nächsten Morgen da. Endlich! Sie hatte die gesamte Zeit von München aus für uns alles organisiert, was nötig war. Und mehr. Auch Jeanette Biegner, ihres Zeichens Produktmanagerin von frubiase SPORT stößt in Westerland zu uns. Philipp Kafsack, ein NDR Redakteur, der uns bereits durch Hamburg begleitet hat, ist auch wieder am Start. Was ich jetzt noch nicht weiß: Er wird einen sehr coolen Beitrag machen.
Das Wetter ist genau richtig und ich fege los, dem ersehnten Ziel entgegen. Es ist echt schön auf Sylt und es wird immer besser, je nördlicher ich komme. Die letzten paar Kilometer gibt Susanne das Wohnmobil an Jana weiter und läuft mit mir ins Ziel. Die Nordspitze von Sylt. Endlich da. Aber ich kann mich nicht richtig freuen. Alles hört jetzt auf. Dieser Monat, den ich jeden Tag mit Laufen verbringen durfte. All die Menschen, denen ich begegnet bin. Wie mach ich weiter? Es fühlt sich unnatürlich und abstrakt an, in mein anderes Leben zurückkehren zu müssen. Warum nicht einfach weiter? Durch Europa, durch die Welt. Ich habe noch gar nicht abgeschlossen mit diesem Lauf. Ich fühle mich wie rausgerissen. Abschied halt. Abschied von einer so intensiven Zeit. Schade. Ich wäre gerne weiter gelaufen. Ich versuche irgendwie in diese Situation zu finden. So, dass es sich gut für mich anfühlt. Es ist echt schwer. Mir ist nicht wirklich klar, dass das ja eigentlich schon ne reichlich coole Nummer ist, die wir das gebracht haben. Und mit ´wir` meine ich alle, die beteiligt waren am Erfolg dieses Projektes und ohne die ich das nie im Leben hätte machen können, wie da wären:
Birger Jüchter: Du hast mich eine Woche (oder so) während deines Urlaubes begleitet und warst immer da, wenn ich dich brauchte und hast mich durch meine Verletzung begleitet. Du bist großartig und für mich zu einem guten Freund geworden! Danke für die Zeit mit dir.
Steffen und Melanie Kohler: Gastfreundschaft müsste euren Namen tragen! Und leckeres Essen auch. Ihr seid die Derbsten! (das sagt man hier so, wenn man jemanden oder mehrere sehr gut findet).
Jens und Julia Vieler: Ohne Gleichen. Julia du hast mich geheilt, Jens, du hast ihr die Gründe dafür geliefert 
Torsten Riemer: Du hast dir mal eben den Hintern für uns aufgerissen, unsere Wäsche abgeholt, gewaschen zurückgebracht, Strecken rausgesucht und uns mit Karten versorgt und es geschafft auf dem Weg zum UTMB noch ein Stück mit mir zu laufen. Unglaublich. Und es hat mir soooo gut getan dich zu sehen.
Alle Läuferinnen und Läufer die mich ins Ziel getragen haben, mich von Schmerzen abgelenkt haben, für gute Anregungen und Strecken und unglaublich gute Gespräche gesorgt haben und einfach Lust hatten, ein Teil dieses Laufes zu sein. Mein Respekt für euch und eure Tat ist grenzenlos. Echt jetzt.
Sehr speziell: Meine Wuppertal-Dortmund Crew. Guiseppe, Jens, Michele, Philip, Max. Jederzeit wieder. Auch abends. Und morgens auch. Und mittags. Und bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit.
Juliane und Jana: Ich möchte eigentlich gar nicht so genau wissen, wie viel Arbeit ich euch beschert habe. Sicherlich a lot! Wir haben geplant, Pläne verworfen, neu geplant und es letztlich ganz gut gefinisht, oder? Aber Jana, du hättest mich wirklich öfter anrufen können 
Ihr habt mit Susanne zusammen dafür gesorgt, dass ich nix anderes machen musste, als zu laufen. Wie geil!
Susanne Alexi: Du musstest mich vier Wochen lang ertragen. Rund um die Uhr. Du Arme! Und hast zeitgleich telefoniert, für mich gesorgt, SMS versendet, Radio gehört, gekocht, eingekauft, aufs Navi geachtet, das Internet aktualisiert, meine Beine massiert und das Auto gefahren. Beim Essen. Das macht dir niemand nach! Und du bist wahnsinnig genug so etwas noch mal mit mir zu machen. Ich nehme dich beim Wort. Aber dann vielleicht nicht mit meinem Auto 
Danke an frubiase SPORT für eure Coolness und euer Vertrauen. Ihr ermöglicht mir meine Träume zu leben! Mehr geht nicht.
Danke an Polar und Falke für extrem cool Gear!
Und natürlich vielen Dank an mein Team vom Haus Ginkgo, dass ihr mir einfach mal so vier Wochen frei gegeben habt. Ich weiß, es war eine schwierige Zeit für euch. Aber seht es doch mal so: Ihr wart mich vier Wochen los!